T. K., Berlin

Der Handel mit Büchern ist ein Geschäft. Zur Zeit ein lohnendes. Am Uhlandeck schmökert und räsoniert das geistige Berlin in der "Bücherstube Schoeller". Bei Schoeller haben sogar die jüngeren "Kräfte" Pasternak gelesen, wagen es infolgedessen, dem Kunden ins fragende Auge zu blicken und – ihm gelegentlich, gelegentlich einen anderen Autor zu empfehlen.

Nun aber gibt es auch eine Schoeller-Dépendence in den "Hilton-Kolonnaden". Potz Trutz! sagte sich der amerikanische Hotelkönig und stampfte (mit kräftiger Hilfe der Stadt) in der Ruinenlandschaft südlich des Tiergartens eine seiner luxuriösen Karawansereien aus dem zerbombten Boden. Budapester Straße, Ecke Spree. Vis-àvis de rien, denn der Blick schweift von höheren Etagen ungehindert zum renovierten Brandenburger Tor hinüber. Der Südrand der Budapester ist noch nicht wieder bebaut, so daß Schoellers in ihrem Hiltonausleger den ganzen Tag Sonne zum Schaufenster herein haben.

Sie hätten lieber Bücherfreunde zur Tür herein. Die erfahrene Frau Straßenburg hütet zusammen mit dem Inhaber, Herrn Rodig, wunderbare neue Regale von Ronninger, Kunst- und Taschenbücher, Modernes und Zeitbeständiges. Wendeltreppe, durchdachte Dekoration, Geist und Geduld. Aber keine Kundschaft. Sechzehn höchstens pro Tag. Und im Stammhaus am Kudamm sind: es ein paar hundert im Durchschnitt.

Wissen’s vielleicht die Berliner noch nicht, daß ihr Städtchen zum Zentrum hin wuchs? Det is noch keene Jejend wieda. Gut – aber zum Schmökern, zur kleinen Fachsimpelei ist das östliche Schoeller-Vorwerk am Tiergarten vortrefflich geeignet. "Heimweh nach dem Kurfürstendamm"? Schön. Aber der Laden in der Budapester ist bei Hilton-Manager Mr. Strand gemietet, kostet nicht schlecht und muß gehalten werden.

A propos "halten"! Ungeahnte Parkmöglichkeiten vor den Kolonnaden – für die Autofahrer unter den Bücherwürmern. Und der Handel mit Büchern ist eben mehr als ein Geschäft. Oder sollte es sein...