Das Schlagwort von der Zusammenballung wirtschaftlicher Macht ist zur Zeit in aller Munde. Gemeint sind die Konzentrationstendenzen im Industriebereich, die vornehmlich von den Mittelständlern aller Lager und Schattierungen mit wachsendem Argwohn beobachtet werden. Daß es noch eine andere Form der wirtschaftlichen Machtzusammenballung gibt, nämlich in der Hand der hohen Ministerialbürokratie, war dagegen bislang weniger bekannt. Erst dem Hohen Haus in Bonn war es gegeben, in der jüngsten Privatisierungsdebatte die "Macht" der Ministerialbeamten an den öffentlichen Pranger zu stellen.

Die "Beamtenhausmacht" darf in der Tat nicht unterschätzt werden, schon gar nicht von dem um die Privatisierung des Bundesvermögens ringenden Bundesschatzminister. Mag es auch zutreffen, wie Minister Lindrath vor dem Bundestag ausführte, daß er in seinem Hause bei den Privatisierungsvorbereitungen tatkräftige Unterstützung findet, so darf hier doch die menschliche Seite des Problems nicht übersehen werden. Wer trennt sich schon gern und freiwillig von lukrativen Pfründen, die nun einmal mit Aufsichtsratsposten verbunden sind? Hier stehen "soziale Besitzstände" auf dem Spiel, die nach den Worten des CDU-Sprechers Dr. Hellwig oft "so zementiert sind, daß man sie kaum noch aufknacken kann". Die Ära des Finanzministers Schaffer hat mehr als einmal offenkundig werden lassen, wie geschickte Aufsichtsratsbeamte des Bundes und der Länder Privatisierungspläne zu vereiteln vermochten.

Bei diesen Vereitelungsmanövern können die in Aufsichtsräte entsandten Vertreter der öffentlichen Hand in der Regel auch der Unterstützung der Unternehmungen sicher sein, die es lieber mit kaufmännisch nicht immer sehr versierten Ministerialbeamten als mit wißbegierigen Aktionärsveteranen zu tun haben.

Die Zusammenfassung vieler Aufsichtsratsposten in der Hand eines einzigen Beamten, das ist heutzutage durchaus keine Seltenheit. Bundesschatzminister Lindrath scheint derartige "Machtzusammenballungen" nicht länger dulden zu wollen. Er will die Beamten nicht völlig zurückziehen; würden aber in vielen Fällen Beauftragte aus dem Kreis der Wirtschaft den Kontrollfunktionen – schon allein wegen des größeren kaufmännischen Sachverstandes – nicht besser gerecht werden können? Zu denken wäre an unabhängige Wirtschaftsprüfer oder Treuhänder, die einem beamteten Verwaltungsjuristen in derartigen Positionen doch gewiß weit überlegen wären. Ko.