Feuerwehr für die Fischereiflotte – "Der Bund fischt ooch" – Mit dem Forschungsschiff "Anton Dohrn" in die Arktis

Von Ortwin Fink

Die amerikanische Akademie der Wissenschaften hat in ihrem Mitte Februar veröffentlichten Untersuchungsbericht über den Stand der meereskundlichen Wissenschaften den Bau von siebzig Forschungsschiffen mit einem Kostenaufwand, von insgesamt 213 Millionen Dollar für die nächsten zehn Jahre vorgesehen – eine Nachricht, die zeigt, welche eminente Bedeutung der Meeresforschung in den USA zugemessen wird. Nur zwei solcher Schiffe fahren unter deutscher Flagge. In der Öffentlichkeit ist diese stille wissenschaftliche und seemännische Arbeit kaum bekannt. Unser Redaktionsmitglied Ortwin Fink ist auf der "Anton Dohrn", einem der beiden deutschen Forschungsschiffe, mitgefahren, um einmal die Fischereiforschung "aus erster Hand" mitzuerleben.

Genau 100 Jahre nach der Einführung der Dampfkraft in die Hochseefischerei (der erste Fischdampfer lief von Dundee aus), genau neunzig Jahre nach der ersten deutschen Polarfahrt bin ich mit der "Anton Dohrn" die Norwegenküste entlang in die Arktis gefahren – auf demselben Wege, den die Idee des tatkräftigen Initiators jener allerersten deutschen Polarfahrt vorgezeichnet hatte. Übrigens – das sah ich als gutes Omen für mich an: – es war ein Journalist, August Petermann, der da am 23. Juni 1865 vor der Geographenversammlung des Freien Deutschen Hochstifts in Frankfurt am Main mit einer geschickt formulierten großen Rede forderte, in der beginnenden Polarforschung nicht hinter den anderen Nationen zurückzustehen, und der seine Agitation mit allen Mitteln so lange betrieb, bis eben die erste Expedition sich einschiffte, "um der Strömung des Golfstromes zu folgen und somit bis zum geographischen Pol vorzustoßen", der nach Petermanns Hypothese nur von einem leicht zu durchbrechenden Eisring umgeben sein sollte.

Nun, etwas anders lautete die wissenschaftliche Order dieser 33. Fischereiforschungsfahrt der "Anton Dohrn" doch. Amtlich-knapp ausgedrückt: "Aufgabengebiet: Bestandsaufnahme der Seelachsbevölkerung vor der norwegischen Küste; Markierungen." Warum man die "Bevölkerung" einer bestimmten Fischart zählt?

Zunächst einmal: Der Seelachs ist so wenig Lachs, wie die rote Farbe jener dünnen, scharfen Scheibchen echt ist, die man im Fischgeschäft als "Lachsersatz" kaufen kann. Dieser "Lachsersatz" stammt vom Seelachs, der in der internationalen Fischerei als "deutscher" Fisch gilt und diesen Namen erst hat, seit in Deutschland der Lachsersatz "erfunden" wurde. Das war in der kargen Zeit kurz nach dem ersten Weltkrieg, als jemand darauf kam, den der Steckrübenmarmelade überdrüssigen Deutschen diesen neuen Brotbelag zu servieren – hergestellt aus einem Fisch, der bis dato selten von jemandem gegessen und deshalb von der Fischerei als bedeutungslos kaum gefangen wurde. Die Handelsbezeichnung "Seelachs" sollte mit ihrer Assoziation zum edlen, aber ganz andersartigen Flußlachs den Deutschen den Mund wäßrig machen – hat sie auch, dauerhaft sogar, nachdem der "Erfinder" einige Prozesse wegen "irreführender Bezeichnung einer Handelsware" durchgestanden hatte.

Seither wird der "Seelachs" gefangen, der bei den Fischern Köhler oder wegen seiner Hautfarbe einfach der "Blaue" heißt; und erst noch viel später begann die Erforschung seiner Biologie. Sie hat vor allem die praktische Bedeutung, den Fängern dieses in seinem Verhalten sehr merkwürdigen, wandernden Fisches sagen zu können, zu welcher Jahreszeit er sich an welchem Ort aufhält, in welcher Menge und in welcher Größe.