Die Verwaltung der Geestemünder Bank, Bremerhaven, hat ihre Hauptversammlung auf den 18. März einberufen. Sie will eine Dividende von 12 1/2 v. H. (im Vorjahr 10 v. H.) verteilen. Diese Dividende sollen die Aktionäre aber nicht ausgeschüttet erhalten, sondern sie finden im Rahmen einer Gratisaktienausgabe Anrechnung. Sie erinnern sich, daß die Bank in der DM-Eröffnungsbilanz das Umstellungsverhältnis auf 2:1 festgesetzt hat. Die harte Umstellung wurde 1954 durch die Gewährung von Freiaktien im Verhältnis 4:3 (ebenfalls unter teilweiser Verrechnung der Dividende) gemildert. Nunmehr werden wieder stille Reserven aufgelöst und es wird durch die Ausgabe von Freiaktien im Verhältnis 2:1 praktisch eine endgültige Umstellung von 1 : 1 erreicht.

Dazu habe ich einige Fragen: Wie steht es mit der Steuerpflicht? Müssen die Freiaktien vom Aktionär voll versteuert werden? Wenn ja, warum wartet die Bank nicht mit der Ausgabe von Freiaktien, bis ein solcher Schritt für die Aktionäre völlig steuerfrei ist? Mit einem entsprechenden Gesetz ist doch in den nächsten Monaten zu rechnen. L. M., Bremen

Antwort: Die von der Bank gewährten Freiaktien müssen – genau wie im Jahre 1954 – vom Aktionär als Einkommen versteuert werden. Sie unterliegen also zunächst der Kapitalertragsteuer von 25 v. H. Im übrigen berührt das im Entwurf vorliegende Gesetz über die steuerfreue Umwandlung offener Rücklagen in Aktien die von der Geestemünder Bank gewünschte Korrektur des Umstellungsverhältnisses nicht. Hier werden nämlich "stille" Reserven aufgelöst. Das neue Gesetz erlaubt aber nur die steuerfreie Umwandlung von offenen Rücklagen in Aktienkapital.

Es gibt kein Zweifel darüber, daß die Aktion der Geestemünder Bank gegenüber den Aktionären ein großes Entgegenkommen darstellt. Man muß berücksichtigen, daß nur der Nominalbetrag der Aktien der Steuerpflicht unterliegt. Ihr echter Wert liegt beträchtlich höher. Außerdem entfällt natürlich die Steuerpflicht dann, wenn beispielsweise körperschaftsteuerpflichtige Firmen in diesem Jahr mit einem Verlust bilanzieren. Die Freiaktien können dann ohne weiteres steuerfrei zum Verlustausgleich herangezogen werden. Das ist ein Gesichtspunkt, der im Zusammenhang mit der Tatsache, daß es gegenwärtig vielen Fischereibetrieben (die Bank ist an der Küste beheimatet) nicht gerade glänzend geht, beachtet werden sollte.