W. F., Sydney, im Februar

Ein Sturm der Entrüstung erhob sich in der australischen Öffentlichkeit, als bekannt wurde, daß die Regierung, in Canberra Dr. Subandrio, dem Außenminister Indonesiens, der soeben das Land bereiste, zugesichert hat, sie werde einem friedlichen Erwerb Niederländisch Neuguineas durch Indonesien nichts in den Weg legen. Die Erregung hat gleichermaßen ehemalige Regierungsmitglieder und die Labour-Opposition, Gewerkschaftler, Kirchenführer und die meisten der großen konservativen Tageszeitungen ergriffen.

Hinter der bitteren Klage dieser Kritiker, die Regierung Menzies sei den Niederländern, den alten Verbündeten Australiens, in den Rücken gefallen, steckt in erster Linie Furcht. Die Insel Neuguinea hatte während des zweiten Weltkrieges Australien vor der japanischen Invasion zu schützen vermocht, was aber würde jetzt geschehen, wenn Indonesien eines Tages vielleicht doch dem Kommunismus anheim fallen sollte?

Auf alle diese Vorstellungen ging der australische Außenminister Robert Casey mit beschwichtigenden Erklärungen ein. Keinesfalls solle die Übereinkunft über Neuguinea eine Umkehrung der Allianzen bedeuten. Australien sei ganz einfach an einer friedlichen Regelung der Streitfrage zwischen den Niederlanden und Indonesien interessiert. Diese Erklärung vermochte die Öffentlichkeit aber nicht zu beruhigen, es werden vielmehr immer neue Vorschläge zur Lösung des Neuguinea-Konfliktes gemacht. So stellt man sich vor, daß eine Treuhandschaft der UN über Neuguinea ein Provisorium bieten könnte, bis die Bevölkerung sich selbst zu regieren im Stande sei.

Der erfolgreiche Dr. Subandrio zeigte sich über die australische Reaktion erstaunt. Natürlich – so meinte er – hätte Neuguinea im letzten Weltkriege Australien abschirmen können. Aber heute läge für Australien in gut nachbarlichen Beziehungen mit dem 80-Millionen-Volk der Indonesier der beste cordon sanitaire gegen unerwünschte Einflüsse aus dem Pazifik.