Nach dem jetzigen Stand der Dinge kann niemand mehr daran zweifeln, daß die Preussag-Aktion ein Erfolg werden wird. Die Nachfrage nach den 30 Mill. DM jungen Aktien der Preussische Hütten- und Bergwerks-AG, die möglichst breit gestreut in der Bevölkerung untergebracht werden sollen, ist ungewöhnlich rege. Unter diesem Eindruck stand auch das Bankenkonsortium, das den Verkauf der Aktien vorbereiten und demnächst durchführen soll.

Etwas überrascht war man allerdings, daß die Bank für Gemeinwirtschaft AG der Einladung, an diesem Konsortium teilzunehmen, nicht gefolgt ist. Da dieses Institut, dessen Aktionäre die Gewerkschaften und die Konsumgenossenschaften sind, im allgemeinen recht gern in Konsortien vertreten ist und ja auch letzten Endes in den vergangenen Jahren auf Grund ihrer finanziell sehr starken Kundschaft eine ausgezeichnete Placierungskraft bewiesen hat, muß dieser Schritt zunächst einmal überraschen. Allerdings nur im ersten Augenblick, denn in den vergangenen Wochen, als der Zusammenschluß der bislang selbständigen Gemeinwirtschaftsbanken zu einer Einheit heranreifte, wurde immer klarer, daß die Inhaber der Bank ihre ideologischen Gesichtspunkte auch im eigentlichen Bankbetrieb berücksichtigt haben wollten. Nicht zuletzt ist deshalb das Vorstandsmitglied der Bank in Düsseldorf, Friedrich Simon, dem ein großer Verdienst um die Entwicklung seines Hauses zufällt, aus dem großen Institut ausgeschieden.

Wenn sich also jetzt die Bank für Gemeinwirtschaft von der Preussag-Aktion betont distanziert, dann erkennt man darin die ablehnende Haltung der Gewerkschaften, die bislang alle Maßnahmen, durch die Arbeitnehmer zu Aktionären gemacht werden sollen, aus sehr durchsichtigen Gründen mißbilligt haben. Zum anderen aber ist auch der Fall eingetreten, wo die Bank für Gemeinwirtschaft sich nicht mehr als "reines Bankinstitut" fühlt, sondern ihre Geschäftspolitik von der ideologischen Seite her beeinflussen läßt. Sie schlägt ein sicheres Geschäft aus, ohne dadurch verhindern zu können, daß auch ihre Kundschaft sich an der Preussag-Aktion beteiligt, denn auch ihre Kunden wollen sich die gesunden Chancen, die ohne Zweifel in der Preussag-Aktion liegen, nicht entgehen lassen. K. W.