Weder schön noch jung, nicht besonders reich, nicht aus adligem Haus und, offen gestanden, auch nicht einmal besonders gebildet, dominiert doch ohne Zweifel Laura Sforti in diesem Jahr die Saison der sogenannten eleganten Welt. Man muß es ihr lassen: eine außergewöhnliche Frau.

Vor einigen Tagen ruft sie mich an: "Hallo, sind Sie es, lieber Freund? Sagen Sie mir aber bitte nicht, daß Sie morgen nachmittag etwa besetzt seien... ja, gegen sechs, halb sieben... nein, nur ein paar gute Freunde ... zu einem kleinen Drink ... auch Echaufucault wird da sein, der Architekt, der morgen im Klub spricht... Wie sagen Sie? ... Ach, Sie kennen ihn nicht, ein reizender Mann, Sie werden sehen, und ein phantastischer Redner... wie bitte? ... Ja, natürlich nach dem Vortrag. Nein, absolut nicht, Sie werden doch der alten Freundin Lalla das nicht abschlagen? ... So ist es recht, ich wußte doch, daß ich auf Sie zählen kann, auf alle Fälle also, auf Wiedersehen, auf Wiedersehen, au revoir."

Nicht? zu machen. Mit mäßiger Begeisterung, denn Architektur ist nun mal nicht mein Fall, mache ich mich also am nächsten Tag auf den Weg. Es ist noch etwas früh, deswegen kaufe ich die Abendzeitung und werfe einen Blick hinein. Sofort wird meine Aufmerksamkeit durch eine Notiz gefesselt, auf der 9. Seite, rechts unten am Rand, unter den Todesanzeigen:

Nach langer, mit christlicher Geduld ertragener Krankheit verschied heute, mit den hl. Sterbesakramenten versehen, meine geliebte Frau, unsere treusorgende Mutter usw. usw.

MARIA LAURA SFORTI

Ich bleibe wie angewurzelt stehen, meine Hände beginnen zu zittern. Ich lese die Todesanzeige noch einmal, es besteht kein Zweifel. Aber wie kann das mit der "langen Krankheit" möglich sein, wenn Laura noch gestern munter und vergnügt am Telephon gewesen war? Zum achten Male lese ich die Anzeige: alles stimmt, Name, Vorname, Ehemann, Kinder, Verwandte, die Adresse.

Ich fühle aufrichtiges Bedauern in mir aufsteigen, ja, ich bin richtig wie vor den Kopf geschlagen. Aber trotzdem kann ich nicht ewig hier auf der Straße stehenbleiben. Irgendwo muß ich hingehen. Wäre es da nicht am besten – sage ich mir – ihrem Mann einen Kondolenzbesuch zu machen? Ich bin ja schon im dunklen Anzug, dunkler Krawatte, dunklem Mantel; den Umständen entsprechend könnte ich nicht passender angezogen sein, fast, als hätte ich es geahnt.