R. S. Bonn, im Februar

Das vor einigen Tagen in Köln aus der Taufe gehobene Komitee "Rettet die Freiheit" scheint wieder einmal ein Beispiel dafür zu sein, daß man auch in bester Absicht einer guten Sache einen schlechten Dienst leisten kann. Denn sicher ist es eine gute Sache, das Freiheitsbewußtsein in unserem Volke zu stärken.

Nur einen Haken hat die Sache: Es ist bisher nicht so ganz deutlich geworden, was man denn unter dieser Freiheit, die da jetzt von Köln aus verteidigt werden soll, genau zu verstehen hat. Wessen Freiheit ist es, und von wem wird sie bedroht?

Es kann doch wohl, genau gesehen, nur so sein, daß jene Freiheit, von der hier die Rede ist, als das gemeinsame, von jeglichen Interessengegensätzen unberührte Gut aller demokratischen Menschen, Parteien und Richtungen gelten muß. Und wer sich nun trotz des heftigen Widerspruchs der beiden Oppositionsparteien im Bundestag als "Retter der Freiheit" ausgibt (wie es jetzt in Köln geschah), wird unglaubwürdig, auch wenn er es noch so gut meint. Er erweckt nämlich Zweifel an dem absoluten Wert der von ihm verfochtenen Freiheit.

Die Freiheit nämlich ist unteilbar. Es geht nicht an, daß nur ein Stückchen von ihr verteidigt wird. Sie muß ganz und sie muß von allen verteidigt werden. Es darf, was diesen Kampf anlangt, in unserer Bundesrepublik keine "Richtungsunterschiede" geben.

Vielleicht war schon die Wahl des Vorsitzenden der neuen Organisation, des CDU-Bundestagsabgeordneten Dr. Barzel, nicht sehr glücklich. Barzel ist ein fähiger, ehrgeiziger junger Politiker, der sich seit einiger Zeit eine recht aggressive Haltung in der Auseinandersetzung mit der Opposition angelegen sein ließ. Das hat natürlich Rückwirkungen.

Vielleicht hat man bei der Auswahl der Mitarbeiter und des Propagandamaterials auch noch andere taktische Fehler gemacht. Die "Arbeitsgemeinschaft demokratischer Kreise" ist nun einmal: als ein Propagandainstrument der CDU abgestempelt.

Sollte aber das Ganze, sollte die Aktion "Rettet die Freiheit" nichts anderes sein als was man sonst mit "psychologischer Verteidigung" bezeichnet – ja, warum hat man’s dann nicht offen gesagt?