Im norddeutschen Raum legt wieder die Neue Sparcasse von 1864 Hamburg, als erste Sparkasse ihr Zahlenwerk für 1958 vor. Mit ihrer um 15,3 v. H. auf 619,5 Mill. DM gestiegenen Bilanzsumme gehört sie zu den größten Sparkassen des Bundesgebietes. Auch für das Hamburger Institut, das praktisch in der Rechtsform einer Stiftung betrieben wird, war 1958 das beste Sparjahr seit der Währungsreform, obwohl der Spareinlagenzuwachs mit 21,2 v. H. auf 434 Mill. DM zum erstenmal etwas unter dem Bundesdurchschnitt von 22,7 v. H. lag. Eine Erklärung gibt es dafür nicht. Der Gesamteinlagenbestand stieg um 15,94 v. H. auf 564,8 Mill. DM.

Wenngleich das Ergebnis des Jahres als durchaus erfreulich bezeichnet wird, bringt die Geschäftsleitung im Zusammenhang mit der Kapitalmarktentwicklung einige Besorgnisse vor: "Die Anlage der stark vermehrten Liquidität des Kreditgewerbes in Wertpapieren und die vorläufige Finanzierung von Investitionsvorhaben durch kurzfristige Kredite in der Hoffnung, ,es könne noch billiger werden‘, sind unseres Erachtens die zu den unerwünschten Faktoren zu zählenden Erscheinungen. Wir wollen hoffen, daß sie keine Rückschläge auslösen werden."

In bezug auf die Zinsentwicklung für Spareinlagen wird die Ansicht vertreten, daß nunmehr die untere Grenze für den Spareinlagenzins erreicht ist. Allerdings räumte Direktor Karl Müller auf einer Pressekonferenz ein, daß der Sparer zinsunempfindlich ist und daß er mit seiner Haltung die Sparkassenleute. Lügen gestraft hat, die in der Zinssenkung eine Gefahr für das Sparaufkommen sahen.

Mit der Zinssenkung hat aber die Neue Sparcasse von 1864 – man kann wohl sagen, Zug um Zug – auch die Hypothekenzinsen gesenkt. Mit sofortiger Wirkung gewährt sie auf Neuausleihungen für den Wohnungsbau einen Zinssatz von 5 1/2 v. H. wobei die Auszahlung bei 95 v. H. liegen dürfte. Mit diesem Schritt ist die Sparkasse einem Preisbrecher auf dem Gebiet der Wohnungsbauhypotheken gleichzusetzen. Was das für die Mieten bedeutet, geht aus folgender Daumenregel hervor: 1/2 v. H. Zins macht für die Monatsmiete je Quadratmeter 6 Pfg. aus.

Die Aktivität in der Wohnungsbaufinanzierung kommt in der Summe der zur Verfügung gestellten Hypotheken zum Ausdruck, die 33,3 (+ 8,6) Mill. DM ausmacht. Dennoch bestand am Ende des Jahres 1958 ein Überhangaus zugesagten Hypotheken von 39,1 Mill. DM. Neben diesen Darlehen wurden noch weitere Kredite über zusammen 90,9 Mill. DM neu bewilligt.

Das Betriebsergebnis für 1958 wird als befriedigend bezeichnet, obwohl die Zinsspanne weiter auf 2,75 (2,79) leicht zurückgegangen ist. Die Bedarfsspanne liegt nach Angabe des Instituts bei zwei v. H. Auf Grund einiger Sondergeschäfte im Geschäftsjahr 1957 hat der tatsächliche Gewinn die Vorjahreshöhe zwar nicht ganz erreicht, dennoch ist für die Sparkasse das Geschäftsjahr 1958 insofern denkwürdig, als bei ihr erstmals nach, der Währungsreform die Sicherheitsrücklage auf den erstrebten Stand von fünf v. H. (genau auf 5,10 v. H., gegenüber 4,52 v. H. Ende 1957) gebracht werden konnte. K. W.