Im Münchner Residenztheater wurde Ernst Penzoldts "Portugiesische Schlacht" erfolgreich wieder ans Rampenlicht gezogen: jene tiefsinnige "Komödie der Unsterblichkeit", deren Held der junge König Sebastian ist, der sich selber und sein Land dem Wahntraum des Ruhms opferte.

Penzoldt ist weit davon entfernt, mit der Bezeichnung "Komödie" Gestalt und Schicksal des königlichen Phantasten dem Gelächter der aktuell Denkenden preisgeben zu wollen. Er hätte "Tragikomödie" oder gar einfach "Tragödie" darübersetzen können, ohne darum ein Wort an seinem historisch-moralischen Bilderbogen ändern zu brauchen.

Dieser Sebastian, kaum dem Knabenalter entwachsen, war nicht nur ein gewissenloser Träumer. Wenn er seinen sinnlosen Feldzug zur Eroberung Afrikas ins Werk setzt, so verkörpert sich in ihm ein Traum Portugals, der sich über alle realen Möglichkeiten hinwegsetzte. Sebastian ist ein echter König, so wie der Spanier Don Quichotte ein echter Ritter ist. Die Zeit, die Vasco da Gamas Indienfahrten, das Dichterleben des Camões und Sebastians Abenteuer umspannte, war das Jahrhundert, das Portugal in der Geschichte sichtbar machte. Was nachblieb, war Legende.

Was an dem königlichen Knaben lächerlich ist, betrachtet der Dichter mit Liebe – wie der Urheber des Don Quichotte die Narreteien seines Ritters. Kaum wird Anklage laut, wenn das Volk, alle ausgestandenen Leiden vergessend, seinen Sebastian wiederhaben will. Dann kommen die falschen Sebastiane.

Als menschlich reine Idee hat der Dichter auch Sebastians einzige Gegenspielerin gesehen: die Königinwitwe Katharina, seine Großmutter, die auf dem Gelde sitzt und den traumtrunkenen Idealisten Realpolitik lehren möchte, die Politik der Sicherheit, des ungestörten Behagens an der Macht.

Es gilt hier, eine Theaterdichtung, die zwar kein gutes Drama, aber ein gutes "Stück" mit dankbaren (schweren!) Rollen ist, in Schutz zu nehmen gegen das Mißverständnis, es stoße in das Horn einer billigen Aktualität, oder gegen den Vorwurf, es verharmlose ein gefährliches Phantom: den egoistischen Unsterblichkeitswahn, der vorgestern aktuell war und es nie mehr... werden darf

Werner Düggelins Inszenierung hielt mit Glück das schwierige Gleichgewicht zwischen dem Un- und dem Überwirklichen. Hans Clarin in der Doppelrolle des wahren und des falschen Sebastian rechtfertigte schon allein das ganze Unternehmen: eine bezwingende Leistung, würdig kontrapunktiert von der spukhaft-unheimlichen Großartigkeit Anna Kerstens als Katharina. A–th