Als erste der Landesbanken hat wieder die Hamburgische Landesbank – Girozentrale – ihren Jahresabschluß der Öffentlichkeit vorgelegt. Das ist erfreulich, denn damit haben die Zahlen und auch die Aussagen im Geschäftsbericht (sie wurden durch Generaldirektor Kurt Fengefisch mündlich erläutert) noch aktuellen Wert, im Gegensatz zu den Bilanzen mancher anderer Landesbanken, denen es mit der Publikation ihrer Berichte überhaupt nicht eilt.

Wenn auch bei der Hamburgischen Landesbank als Bank des hamburgischen Staates gewisse Sonderbedingungen vorliegen, so unterscheidet sich die Bilanz im Trend dennoch kaum von denen anderer "gemischt" arbeitenden Institute, also von solchen, die sowohl das normale Bankgeschäft beitreiben als auch als Hypothekenbanken tätig sind. Kennzeichen der Entwicklung des Jahres 1958 ist die Verlagerung des Schwerpunktes auf das langfristige Geschäft, für das die Mittel wesentlich leichter beschafft werden konnten als in den Vorjahren. Von der allgemeinen Einlagensteigerung tritt in der Bilanz deshalb nichts in Erscheinung (die Einlagen haben sogar um 19,4 auf 676,1 Mill. DM abgenommen), weil der durch die neuen Anlagerichtlinien für Mittel der Länder erzwungene Abzug der Konten der öffentlichen Hand nicht durch einen entsprechenden Zugang bei den privaten Einlegern ausgeglichen werden konnte. Das langfristige Geschäft hat aber den Ausgleich gebracht. So hat sich der Gesamtumsatz auf einer Seite des Hauptbuches in 1958 um fast ein Zehntel auf 62 Mrd. DM erhöht. Die Bilanzsumme ist um 12,5 v. H. auf 1,671 Mrd. DM gestiegen.

Im Hypothekengeschäft führte die fortschreitende Zinssenkung zu einer Belebung der Nachfrage, die auch im neuen Jahr noch angehalten hat. Der Hypothekenbestand der Bank (einschl. der Ausleihungen gegen kommunale Deckungen) erhöhte sich um 59,8 auf 299,5 Mill. DM. Bezeichnend für die Entwicklung dieses Geschäftszweiges ist der hohe Stand der bis Ende 1958 zugesagten, aber noch nicht in Anspruch genommenen Darlehen.

Trotz der Bindung erheblicher Mittel im langfristigen Geschäft hat die Bank zu jeder Zeit auf eine ausreichende Liquidität gesehen (dazu Fengefisch: "Wir haben sie uns Geld kosten lassen!"). Dennoch ist das eigentliche Geschäftsergebnis wieder befriedigend ausgefallen. Bevor man sich den ausgewiesenen Reingewinn ansieht, muß man wissen, daß die Bank auch diesmal wieder von der Möglichkeit, stille Reserven zu bilden, kräftig Gebrauch gemacht hat. Wahrscheinlich erreichen die stillen Reserven jetzt etwa die Höhe des ausgewiesenen Eigenkapitals, das sich bei einem Stammkapital von 20 Mill. DM und den gegenüber dem Vorjahr um 6,5 Mill. DM erhöhten Rücklagen (davon 1,5 auf freigewordenen Rückstellungen, Rest aus Gewinn) von 30 Mill. auf zusammen 50 Mill. stellt. Nach den neuen Richtlinien des Kreditwesengesetzes ist jedoch die Höhe des Stammkapitals nicht ausreichend, so daß künftig an eine Kapitalerhöhung gedacht werden muß. Zur Entlastung des Großaktionärs, der Freien und Hansestadt Hamburg (erhielt für 1958 wieder die satzungsmäßig zulässige Höchstdividende von 5 v. H.), wird man wohl aus den Reserven das Kapital aufstocken. -ndt