pk, Hannover

Ob es so etwas in der Geschichte der deutschen Kriminalpolizei wohl schon einmal gegeben hat? Es passierte in Hannover.

Da kamen im Landeskriminalpolizeiamt am Welfenplatz 28 Beamte der (politischen) Nachrichtenpolizei zu einem der üblichen einwöchigen Fortbildungslehrgänge zusammen. Schon nach 48 Stunden waren sie allesamt wieder zu Hause, und 22 von ihnen waren vom Dienst suspendiert. Die meisten von ihnen haben inzwischen Reue gezeigt und sich schriftlich beim Innenminister entschuldigt. So wurden die Suspendierungen wieder aufgehoben. Doch es mahlt nunmehr die Mühle genauer Untersuchungen...

Alles begann am Montag, dem 16. Februar 1959. Die 28 Beamten, sämtlich im Polizeimeisterrang, trafen ein und fühlten sich in der Mehrzahl alsogleich nicht sehr wohl. Denn das Landeskriminalpolizeiamt ist beherbergt in einer jener alten Backsteinkasernen, die sich weder durch architektonische Schönheit noch durch besondere Gemütlichkeit auszeichnen. Die Unterkünfte für die Lehrgangsteilnehmer sind nicht gerade Hotelzimmer.

Der Lehrgang begann. Die Leitung erklärte, man wolle diesmal von der bisher gewohnten Art abgehen. Die sechs Tage sollten nicht nur mit Vorträgen und Demonstrationen ausgefüllt sein. Da könne man hinterher immer so schwer feststellen, wer was oder wieviel gelernt habe. Man wolle diesmal schriftliche Arbeiten machen lassen. Beispielsweise solle ein Tonband mit einer Diskussion ablaufen, einmal, noch einmal, und dann: "Bitte sehr, nun schreiben Sie einen kurzen Bericht über den Inhalt dieses Gespräches." Das sei eine sehr nützliche Aufgabe für politische Polizisten.

Der gewählte "Klassensprecher" lehnte ein solches Ansinnen namens der Mehrheit ab.

Dann die Sache mit dem Bus. Das Mittagessen könnten die geplagten Lehrgangsteilnehmer nicht im Lehrgangsgebäude selbst einnehmen, weil es da keine Kantine gab. Sie sollten im Bus zur zweieinhalb Kilometer entfernten Kaserne der niedersächsischen Bereitschaftspolizei in der Möckernstraße gefahren werden. Der Bus war aber leider gerade in Reparatur. Die Lehrgangsleitung schickte statt dessen drei "Flitzer", Einsatzwagen der Polizei. Die Lehrgangsteilnehmer wiesen auch diese Zumutung empört zurück.