Wiesbaden, im Februar

Seit gut zehn Jahren behauptet der hessische Kirchenpräsident D. Martin Niemöller, das Opfer einer permanenten "Pressehetze" zu sein. Die westdeutsche Öffentlichkeit wird immer wieder durch Äußerungen des Kirchenpräsidenten über den Ost-West-Konflikt, über die Verteidigungsfrage, über die polnisch besetzten Ostgebiete schockiert; und immer wieder beantwortet Niemöller die Kritik, die durch diese Äußerungen ausgelöst wird, mit dem Hinweis, seine .Worte seien von der Presse falsch wiedergegeben worden.

Nach seiner Kasseler Rede vor der Vereinigung "Christen gegen Atomgefahren" wiederholte sich dieser Vorgang. Der Satz, der Bundesminister Strauß zu einem Strafantrag gegen das Oberhaupt der evangelischen Landeskirche von Hessen und Nassau veranlaßte, wurde am 26. Januar folgendermaßen wiedergegeben:

Von den Hessischen Nachrichten: "Die Ausbildung zum Soldaten ist heute die Hohe Schule für Berufsverbrecher."

Von der Kasseler Post: "Jede Ausbildung zum Soldaten und zu Führungspositionen in übergeordneten Kommandostellen muß heute als eine Hohe Schule zum Berufsverbrechertum bezeichnet werden."

Darauf ließ Niemöller erklären, er habe nicht von "Kommandostellen", sondern von den "Kommandotruppen" gesprochen. Keinesfalls aber habe er die militärische Ausbildung schlechthin als "Schule für Berufsverbrecher" bezeichnet. Die sozialdemokratischen Abgeordneten Arndt, Heinemann und Metzger zogen aus dieser Erläuterung den Schluß, die Zeitungen hätten "wieder einmal" falsch berichtet, und der Verteidigungsminister habe (ebenso wie die Deutsche Partei, die gleichfalls Strafantrag stellte) sich leichtfertig auf jene Zeitungsberichte gestützt.

Die Defa war auch da