Chruschtschow hat in Tula die sowjetische Katze aus dem Sack gelassen und offen ausgesprochen, was andere – beispielsweise Gromyko vor dem XXI. Parteitag – nur vorsichtig angedeutet hatten: Wenn kein Friedensvertrag mit den "beiden deutschen Staaten" zustandekommt, dann wird Moskau zusammen mit den anderen Ländern des "sozialistischen Lagers" einen solchen Vertrag mit der DDR allein abschließen.

Damit ist der Sinn der sowjetischen Friedensvertrags-Initiative vom . 10. Januar ganz offenkundig geworden. Der damals übermittelte Entwurf enthielt in der Tat ein "Maximalprogramm", von dem der Kreml ganz genau wußte, daß es für die Westmächte und für die Bundesrepublik gleichermaßen unannehmbar sein werde. Aber dieses Programm hatte nicht so sehr den Sinn, eine Ausgangsposition für Verhandlungen zu markieren, als vielmehr das Alibi für die eigentlichen russischen Absichten abzugeben.

Und diese Absichten zielten, wie sich jetzt erkennen läßt, eindeutig auf einen Sonderfrieden mit Pankow, der seinerseits nichts anderes bezweckt, als die völkerrechtliche Position des kommunistischen Ostzonenstaates zu festigen und gleichzeitig die sowjetische Mitverantwortung für die Wiedervereinigung Deutschlands ein für allemal loszuwerden.

Auf den ersten Blick könnte es nun freilich so aussehen, als ob ein solcher Schritt lediglich eine Demonstration sein werde und nicht mehr. Ihren "gesamtdeutschen" Zielen – also der Neutralisierung ganz Deutschlands und dem Heraussprengen der Bundesrepublik aus dem NATOverband – kommen die Sowjets keinen Schritt näher, wenn sie ihr Verhältnis zu Pankow auf eine neue juristische Basis stellen. Mehr als das: Wenn sie den Sonderfrieden abschließen, dann verzichten sie damit von vornherein auf jede

Löcher im westlichen Eis: Fishing for Anerkennung

Chance, die Vorteile wahrzunehmen, die ihnen aus einem Deutschland-Kompromiß mit den Westmächten im Zeichen der neuen westlichen "Flexibilität" erwachsen könnte.

Diese Überlegungen gelten jedoch nur dann, wenn man annimmt, daß die Russen unter Umständen bereit gewesen wären, sich auf eine Wiedervereinigung Deutschlands "in Etappen" einzulassen, so wie dies den westlichen Pläne-Schmieden heute vorzuschweben scheint. Für eine solche Bereitschaft hätten sie gewiß allerhand einhandeln können, wahrscheinlich sogar einen Verzicht auf die atomare Ausrüstung der Bundeswehr.