Wenige Tage, nachdem das Bankhaus Hardy & Co. mit seinem Europafonds herausgekommen ist, teilt die Berliner Handels-Gesellschaft mit, daß eine Gruppe europäischer Banken aus fünf EWG-Ländern die Gründung eines europäischen Investmentfonds beschlossen haben, der als "open-end Fonds" geplant ist. Er wird den Namen "Eurunion" tragen und sich vor allem aus den Aktien solcher Gesellschaften zusammensetzen, die im Raum des Gemeinsamen Marktes beheimatet sind. Die Zertifikate werden in fünf Ländern zum Verkauf angeboten. Der erste Ausgabepreis beträgt 100 DM.

Weiterhin hat die Dresdner Bank in diesen Tagen auf die "Invest AG" für die Verbreitung und Verwaltung italienischer Mobiliaranlagen in Mailand aufmerksam gemacht. Die italienische Gesellschaft, deren Aktien vor allem in der Schweiz in Form von Inhaberzertifikaten gehandelt werden, steht offenbar der Dresdner Bank nahe. Die Anlagen von der Invest AG umfassen 75 auf alle, Wirtschaftszweige Italiens verteilte Aktienwerte.

Dem deutschen Publikum wird in diesen Wochen ein reicher Strauß von Europawerten angeboten. Das trägt Wesentlich zum Zusammenwachsen der europäischen Wirtschaft bei und verankert den Integrationsgedanken in den breiten Schichten der Bevölkerung. Die starke Kapitalbildung in der deutschen Bevölkerung, das von den Investmentgesellschaften geweckte Interesse an deutschen Aktienwerten ließ die Nachfrage am Aktienmarkt ungewöhnlich wachsen. Das Angebot nahm aber nur geringfügig zu. Hätten wir noch einen vom Ausland abgeschlossenen Kapitalmarkt, dann müßten wir noch mehr fürchten, daß Aktien Seltenheitswert bekämen. Aufgeblähte Kurse wären die Folge. Diese Gefahr wird durch das Ausweichen auf Auslandsaktien gemildert. Hier bietet sich für Banken mit internationalen Beziehungen und guten Auslandskenntnissen ein neues Betätigungsfeld. Es wird jetzt mittels Investmentgesellschaften genutzt. Das Vertrauen in die deutschen Institute, die sich als Muttergesellschaften oder Teilhaber europäischer Investmentgesellschaften vorstellen, ist zunächst das wichtigste werbende Moment. Man wird es sorgfältig pflegen müssen. Europawerte haben nämlich ihre Chancen, aber auch ihre Risiken. Es gibt hier noch wenig Erfahrungen. In der Vergangenheit haben sich die einzelnen nationalen Kapitalmärkte hinter dem Schutz von Devisenbewirtschaftungsordnungen fast unabhängig voneinander entwickelt. Daher besteht noch kein einheitliches europäisches Kapitalmarktniveau. Es beginnt sich erst jetzt zu entwickeln. Darüber kann es zu Sonderbewegungen kommen, die sich auch in den Werten der Zertifikate ausdrücken. Rb.