Der Tag hat (durchschnittlich) fünf Schulstunden á 50 Minuten. Der Nachmittag ist frei. Ferien gibt es viele. Das Gehalt läuft weiter. Nur ja alles Aufsehenerregende und Anstößige vermeiden. Dann winkt die Pension ...

Lehrer könnten so sein. Sie würden damit nur dem Trägheitsgesetz folgen und jener "praktischen Vernunft", die Kant nicht meinte.

Wir freilich wünschen uns die Lehrer unserer Kinder anders, und mit Freude stellen wir fest, daß die weitaus meisten auch anders sind. Sehr ermutigend kann es für sie nicht sein, was sich in Würzburg zuträgt.

Dort wird die 51jährige Oberstudiendirektorin des Deutschen Gymnasiums in Aschaffenburg vor ein Verwaltungsgericht zitiert, weil sie in ihrer Klasse eine eigene Meinung geäußert hat, durch die sich ein Jesuitenpater schmerzlich getroffen fühlte (mit Recht, übrigens).

Jeder, der Meinungen öffentlich äußert, weiß, daß es immer Leute gibt, die sich davon, mehr oder minder schmerzlich, getroffen fühlen. Also sagen wir am besten gar nichts mehr?

Wer Ruhe und Gemütlichkeit über alles schätzt, dem wäre in der Tat just das zu empfehlen. Wollen wir Lehrer, die Ruhe und Gemütlichkeit über alles schätzen?

Offenbar nicht. Denn diese Lehrer sollen zum Beispiel auch Gegenwarts-Literatur behandeln und zeitgeschichtlichen Unterricht geben. In einem solchen Unterricht wurde die Oberstudiendirektorin von den Schülern nach ihrer persönlichen Meinung gefragt. Darf sie dieser Frage ausweichen? Wer weiß es – das Verwaltungsgericht in Würzburg? Eines freilich wissen wir alle, nämlich: was ihre Schüler von einer solchen Lehrerin halten würden! Leo