Die Lust am Kritisieren hat die deutschen Filmleute gepackt. In dem Film „Der Mann, der sich verkaufte (Filmaufbau Göttingen, Europa-Filmverleih) geht es um „die Presse“. Wer gemeint ist, bleibt verschwommen, doch scheint es sich bei der angeprangerten Zeitschrift um eine Illustrierte oder ein Wochenmagazin zu handeln.

Der Film hat ein „Anliegen“, manchmal ist er böse und schlägt nach allen Seiten. Erich Kuby ist der Drehbuchautor. Sowohl die, die entlarvt werden sollen – ein Hotelbesitzer eines funkelnagelneuen Hauses ersten Ranges und seine Kumpanei, die aus der Schwarzmarktzeit Dreck am Stecken haben soll – als der Entlarver, ein junger flotter Reporter, arm und aggressiv, arbeiten mit unsauberen Methoden. Ein Mordfall spielt herein, damit ist der Reißer fertig. Wenn wenigstens einer aus der korrupten Pseudogesellschaft der Mörder wäre, das gäbe der Sache noch Pfeffer. Aber nein, ein Kneipenwirt muß es sein.

Doch da gibt es noch einen Toten. Das gehört heute im Film dazu, um die Spannung zu erhöhen. Der smarte ausgekochte Geschäftsmann und Hotelier ist so zart besaitet, daß er sich von dem jungen Reporter und seiner Zeitschrift mit der Serie „Schwarzer Markt und weiße Westen“ in die Enge treiben läßt und im Gefängnis, in das er fälschlich hineingeriet, stirbt. Wieviel Punkte seine weiße Weste hatte, bleibt offen.

Der ehrgeizige unerfahrene Schreiber aber, der das nicht wollte und auch nicht vorausgesehen hat, obwohl er mit gestohlenen Akten, unerlaubten Photokopien und heimlich aufgenommenen Tonbändern arbeitete, zeigt Reue und unangebrachten Berufsstolz.

Es wird viel telephoniert in diesem Film, viel hin- und hergelaufen, ohne daß die Bilder etwas sagen. Viel geredet. Es fallen erfrischende und freche Aperçus (der Text ist von Kuby) und Wahrheiten: „Wer die Welt verbessern will, muß selber besser sein“, aber auch die gängigen Schlagworte. Es wird nur schwarz gemalt: Die Fabrikanten und Inserenten sind heraufgekommene Neureiche, die auftretenden Minister und Beamten Schwachköpfe, die Akademiker glatte Streber.

In treffenden Bildern sprechend, wie die Schlußszene, in der beißende Ironie aufblitzt, hätte der ganze Film sein müssen, der allzu eilig zusammengebastelt zu sein scheint (Regie Josef Baky). Da kommt endlich heraus, wohin er wirklich zielt: Der Verleger, fett, reich, zynisch, ohne jedes Verantwortungsgefühl, nur darauf aus, Geld zu machen, den kleinen Leuten für ihre Groschen Sensationen und „Bla bla“ zu verkaufen, von den Inserenten bedrückt, pfuscht der Redaktion ins Handwerk. Er macht selbst das dreckige Blatt und verteilt gönnerhaft, doch wenig glaubhaft, Gehaltserhöhungen und Prämien an die Leute, die schreiben können, damit sie als sein Werkzeug arbeiten. „Wes Brot ich eß, des Lied ich sing...“

Mag sein, daß es solche Witzblattfiguren als Verleger und solche Journalisten gibt. Weniger dick aufgetragen, hätte die Kritik wirksamer sein können im Zeichen der Selbstkontrolle der Publizisten. Als Satire war der Film, bis auf die Schlußszene, nicht angelegt; überspitzte Übertreibungen sind noch kein Zeichen von Humor. Am witzigsten war die Musik von Georg Haentzschel.

Manche schauspielerischen Leistungen faszinieren. Kurt Ehrhardt spielt die vom Drehbuch her schwache Rolle des Hoteliers, eines Haifisches im Wirtschaftswunderland, sehr nuanciert; Hildegard Knef, die sich raffiniert zwischen berlinischer Direktheit und Verschleierungskünsten hält, ist mehr undurchsichtige Lebedame aus der Amizeit als Arztfrau, jedenfalls aber immer ganz da; Antje Weisgerber verkörpert überzeugend eine patente Schweizerin als Hoteliersfrau. Hansjörg Felmy jedoch als Reporter ist in dieser schwierigen Rolle, die von ihm verlangt, zugleich Moral, äußerste Skrupellosigkeit und Gier zu zeigen, nicht Fisch noch Fleisch. Erika Müller