Von Volkmar v. Zühlsdorff

Im Schulungsraum der Flugbasis Westover in Massachusetts ist ein Apparat aufgebaut, der fast aus dem Deutschen Museum in München stammen könnte. Unter einer Glasglocke sitzt die Gummifigur eines Piloten, bunt und lebensecht, mit Fallschirm und Flughelm, jedoch – ohne Sauerstoffmaske. Neben, der Glasglocke ist ein Knopf.

Bedient man ihn, so vermindert sich drinnen der Luftdruck. Man kann das an einem Höhenmesser genau verfolgen. Und da sieht man dann am Modell, was einem Düsenpiloten geschieht, der sich ohne Sauerstoffatmung sorglos in den Himmel hebt.

Bis 5000 Meter geht alles ausgezeichnet, nur der Leib beginnt ein wenig zu schwellen. Aber schon bei 7000 laufen die Nägel bläulich an, ein Zeichen, daß das Blut in der dünneren Luft nicht mehr genügend Sauerstoff bekommt. Dann, bei 8000, kommt ein seliges Lächeln auf das Gesicht des Piloten. Bei 10 000 Meter fallen ihm die Lider schwer über die Augen.

„Fortsetzung am lebenden Objekt“, verkündet Oberleutnant Richard F. Buchter und stellt den Apparat ab. „Das ist überzeugender.“ Er hat den Test in der Druckkammer zu leiten, dem sich jeder unterziehen muß, der im Düsenflugzeug aufsteigt. Eine ärztliche Untersuchung gehört dazu, auf Herz und – Ohren. Denn wenn diese nicht in Ordnung sind, etwa die Eustachische Röhre blockiert ist – und dazu genügt oft schon ein Schnupfen –, so kann einem leicht das Trommelfell platzen.

Lautlos fällt die schwere Tür hinter uns zu, die die Druckkammer luftdicht abschließt. Wir haben kaum die Sauerstoffmasken ausprobiert, da gibt der Offizier hinter der Glasscheibe, draußen im Kontrollraum, ein Zeichen. Der Druck in den Ohren zeigt uns an, daß wir „steigen“. „Wir sind jetzt bei 4000 Meter, setzen Sie Ihre Masken auf.“ Bei 10 000 fühle ich einen scharfen Schmerz im Zahn, aber nur einen Augenblick lang, dann geht zum Glück die Plombe hoch. „Schlechte Arbeit“, kommentiert unser Leutnant, dem ich das Ereignis pflichtgemäß durchsage, „wahrscheinlich war Luft unter der Füllung und die hat sich ausgedehnt.“

Bei 12 000 Meter schalten wir auf reinen Sauerstoff. Der Test beginnt. Eine einfache Aufgabe: bunte Holzpflöcke sind auf einem Brett von einer Lochreihe in die andere umzustecken. Ein junger Luftkadett mir gegenüber ist das „Versuchskaninchen“, ihm nimmt der Leutnant die Maske ab. Rasch und geschickt versetzt der Kadett die Pflöcke, zehn Sekunden, zwanzig, dreißig – dann werden seine Bewegungen träger. Immer unsicherer tastet seine Hand nach den Löchern, sein Blick schweift ab, ein wenig schwankt er noch, dann sinkt ihm der Kopf bewußtlos auf die Brust.