Auch die Niederrheinische Hütte AG, Duisburg, die als zweite Tochter der August-Thyssen-Hütte AG ihren Abschluß für das Geschäftsjahr 1957/58 vorgelegt hat, war im Berichtsjahr kein Haupttreffer für die Gewinn und Verlust übernehmende Muttergesellschaft. Das Organschaftsverhältnis mit der ATH, die 96 v. H. des 41,4 Millionen DM betragenden Niederrhein-Kapitals besitzt, erschwert zwar einen genauen Einblick in die Ertragslage dieses großen Walzdrahterzeugers, aber die auf einer Pressekonferenz gemachten Angaben: bestätigen den für die gesamte eisenschaffende Industrie bestehenden Eindruck, daß das Geschäftsjahr 1957/58 kein andauernder Honigmond war.

Dennoch ist die Niederrheinische Hütte AG vergleichsweise besser über die Runden gekommen als andere Hüttenwerke, deren Produktionsprogramme stärker von der Absatzkrise beim Stahl betroffen sind. Der Markt für Walzdraht, dem Haupterzeugnis der Gruppe Niederrhein, war auch in 1958 nicht so wacklig geworden wie andere Teilmärkte für Stahl. Zugleich kamen diesem Unternehmen die auch während der Hausse sorgsam gepflegten Kontakte zu den Abnehmern außerhalb des Bundesgebietes zugute.

Die Niederrheinische Hütte mußte im Berichtsjahr einen Umsatzrückgang um 6,8 v. H. auf 359 (385) Mill. DM hinnehmen. Der Fremdumsatz der gesamten Gruppe – einschließlich der Niederrhein-Töchter Westfälische Union AG für Eisen- und Drahtindustrie, Lennewerk Altena GmbH und Eisenwerk steele GmbH – verringerte sich um 5,3 v. H. von 507,9 auf 481,3 Millionen DM. Der Exportanteil erreichte nur noch etwa 18 (22) v. H. des Umsatzes.

Der Exportanteil am Umsatz der Hütte allein hat sich geringfügig auf 15,2 (15,4) v. H. ermäßigt. Es ist bemerkenswert, daß der Anteil der Liefermengen an das Ausland um etwa 4 v. H. gestiegen ist. Daraus ergibt sich, daß die Preiseinbußen im Exportgeschäft recht erheblich gewesen sein missen. Dennoch habe das Werk, wie der Vorstancsvorsitzer, Hüttendirektor Rudolf Hannesen, auf einer Pressekonferenz betonte, jede Exportchance wahrgenommen, um die Beschäftigung des Unternehmens und damit die Arbeitsplätze der Mitarbeiter zu sichern.

Auf den Absatz der Erzeugnisse von Niederrhein hat sich nach den Angaben der Verwaltung die unbefriedigende Marktlage, in der Drahtverarbeitung ungünstig ausgewirkt. Allerdings wird der – im Vergleich zum Bundesdurchschnitt – verhältnismäßig hohe Rückgang der Walzdrahtauslieferungen um 6,4 v. H. gegenüber dem Geschäftsjahr 1956/57 damit erklärt, daß infolge des Ausbaues der neuen Drahtstraße ein Produktionsausfall von über 30 000 t eingetreten wir. Auf Grund dieser Ausbauarbeiten ging auch der Marktanteil der Niederrhein-Hütte bei Walzdraht von 32,6 auf 31,2 v. H. im Berichtsjahr zurück. Im letzten Quartal stieg der Lieferanteil an den Auslieferungen des Bundesgebietes allerdings auf über 35 v. H. an. Traditionsgemäß lag auch im Berichtsjahr der Export von Walzdraht bei Niederrhein nicht unerheblich über dem Durchschnitt tt des Bundesgebietes. Die Stabstahlauslieferungen waren wie bei allen vergleichbaren Werken ebenfalls rückläufig; allerdings trat hier der Rückgang mit 6,4 v. H. gegenüber dem Vorjahr nicht so stark in Erscheinung wie im Durchschnitt der anderen Stabstahlerzeuger. Dadurch konnte Niederrhein seinen Lieferanteil im Stabstahlgeschäft, der bei etwa 5,6 v. H. liegt, leicht erhöhen.

Die Produktionsentwicklung der wichtigsten Erzeugnisse des Unternehmens zeigt Einbrüche auf der ganzen Linie. Die Erzeugung an Stabl-Eisen sank auf 281 800 (310 400) t. Siemens-Martin-Rohstahl blieben mit 377 800 (389 400) t und Walzwerks-Fertigerzeugnisse mit 663 300 (708 000) t unter dem Vorjahrsergebnis. Davon entfielen auf Stabstahl 218 700 (234 300) t und Walzdraht 444 600 (473 700) t.

Bemerkenswert ist, daß die Investitionen im Berichtsjahr in Höhe von 27,5 (21,7) Mill. DM nochmals eine beträchtliche Erhöhung gegenüber dem Vorjahr erfahren haben. Diese Mittel wurden vor allem durch die Weiterführung der beiden Großobjekte Sinteranlage und Hochofen III sowie des Ausbaues der Drahtstraße 3 beansprucht. Damit hat die Gesellschaft bis zum Bilanzstichtag insgesamt 161,4 Mill. DM – und zwar 10,4 für Beseitigung von Kriegsschäden und 151 für Neuanlagen – aufgewandt. Die Investitionen wurden zu etwa 35 v. H. fremdfinanziert.