Um was ging es bei dem geheimnisvollen amerikanischen Weltraum-Experiment?

Von Theo Löbsack

„Atomexplosion im Weltraum“ – die Schlagzeilen verkündeten eine Sensation. Was steckt dahinter? Theo Löbsack, Doktor der Naturwissenschaften und Autor des erfolgreichen Buches „Der Atem der Erde – Wunder und Rätsel der Luft“, zeigt im folgenden Artikel die Bedeutung des amerikanischen Experiments auf.

Ein halbes Jahr lang haben die sonst so mitteilungsfreudigen Amerikaner einen Atomversuch verheimlicht, den sie jetzt, beim politisch wohlbedachten Zeitpunkt seiner Bekanntgabe, als das „größte jemals durchgeführte wissenschaftliche Experiment“ bezeichnen: Das „Argus-Projekt“ – die ferngesteuerte Zündung von drei kleineren Atombomben hoch über der Erdatmosphäre im September 1958.

Drei mehrstufige Raketen hatten die Kernladungen seinerzeit vom schwankenden Deck der Norton Sound (einer schwimmenden Abschußbasis) etwa 480 Kilometer hoch in den Raum über dem südlichen Atlantik getragen. Dort oben, wo praktisch Weltraumbedingungen herrschen, waren die Bomben explodiert. Innerhalb einer einzigen Stunde hatte sich die freigesetzte Strahlung um die Erde verbreitet. Kein Luftwiderstand hatte den Flug der Spaltprodukte gebremst. Diese Ausbreitung, die Art also, wie der künstliche „Strahlungsschirm“ über der Erde entstand, war schon im voraus berechnet worden. Es war die kühne Theorie des griechischen Kernphysikers Christo filos, auf die man alle Karten gesetzt hatte und die letzten Endes auch nicht enttäuschte.

Erdachse als Stabmagnet

Nicolas C. Christofilos, der heute als amerikanischer Staatsbürger am Strahlenlabor der University of California arbeitet, hatte den nach ihm benannten Christofilos-Effekt schon Anfang 1958 gefunden. Seine Theorie wurde aber wegen ihrer möglichen militärischen Tragweite nicht veröffentlicht. Nur wenigen Eingeweihten war sie bekannt.