Sie kann doch wohl nur Chruschtschows Zielen dienen

Bonn, im April

Die SPD und FDP drängen auf eine außenpolitische Debatte. Man könne nicht, sagte Mende, am Vorabend einer Deutschlandkonferenz das Debattieren über die Deutschlandfrage ausschließlich den Parlamenten in Washington, London und Paris überlassen. Auf den ersten Blick ein bestechendes Argument, vorausgesetzt freilich, daß es eine echte Debatte wäre, nicht eine haßerfüllte gegenseitige Anklage.

Wenn eine solche Sitzung zustande kommen sollte, dann müßte sich jeder Abgeordnete dabei vor Augen halten, daß der Kreml mit lauernder Schadenfreude mithört. Nichts könnte ihm willkommener sein als ein Ablenken von seiner Schuld an der Teilung Deutschlands durch gegenseitige Verdächtigungen der Deutschen untereinander.

Würden alle Sprecher im Bundestag dem entscheidenden Gegner der Wiedervereinigung deutlich machen, welchen "Preis" Westdeutschland für die Wiedervereinigung zu geben bereit ist, welchen aber unter keinen Umständen: nämlich die Bolschewisierung ganz Deutschlands, dann könnte von einer solchen Auseinandersetzung im Bundestag vielleicht eine gute Wirkung auf die Konferenz der Großen ausgehen.

Schon in Lublin und Prag

Sollte aber Chruschtschow, was zu fürchten ist, aus der Debatte den von ihm begehrten Eindruck gewinnen, ein Teil der Deutschen sei bereits auf dem Wege in die von Moskau gestellten Fallen – die sich schon in Lublin, Prag und anderwärts so gut bewährt haben –, dann könnte eine solche außenpolitische Diskussion nur allzu leicht zu einer Gefahr für unser Land werden.