RH-Hamburg

Erfahrungsgemäß gibt es Dinge, die man leichter lernt, wenn man jünger ist. Dazu gehört das Schwimmen. Mancher Hans lernt nie mehr schwimmen, weil Hänschen es nicht gelernt hat.

Nun haben Sportärzte seit langem herausgefunden, daß es vernünftig wäre, nicht abzuwarten, bis das Kind groß genug ist, um selbst ein Frottiertuch zum unförmigen Ballen zusammenzurollen und allein einer Badeanstalt zuzuschreiten. Schon kleine Kinder von drei Jahren müßten schwimmen lernen, sagen die Fachleute. So kleine Kinder lernen nämlich das Schwimmen mit Vergnügen und im Händchenumdrehen.

Und welche Vorteile hat es – abgesehen vom früh geförderten Selbstbewußtsein – so früh schwimmen zu können. Um eine große Gefahr wird damit nämlich jenes gefährliche Interregnum zwischen sicherer Aufbewahrung im Kinderwagen und vernunftdirigierter Bewegung auf eigenen Beinen vermindert. Denn bekanntlich sind es häufig jene Kinder, die schon laufen, aber noch nicht lachdenken können, die ins Wasser fallen.

Das leuchtet vielen Eltern kleiner Kinder ein. Darum konnte der Verein, der sich als ein Zweig der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft vor zwei Jahren etablierte und das Ziel hat, kleine Kinder das Schwimmen zu lehren, innerhalb verlältnismäßig kurzer Zeit dreihundert Mitglieder werben. Mitglied sind natürlich nicht die Schwimmlehrlinge selbst, sondern deren Eltern.

Nun ist die praktische Arbeit mit so kleinen Personen besonders schwierig. Sie tun nämlich, was mancher Erwachsene gern tun möchte: Sie schreien, wenn sie ins kalte Wasser sollen. Und sie haben recht – das Wasser ist wirklich zu kalt für sie. Schließlich sind sie ja über die ersten dünnen Ansätze zur schützenden Fettschicht noch nicht hinausgekommen. Sie wollen in Wasser schwimmen, das ungefähr dreißig Grad warm ist. Und da liegt die Schwierigkeit. Schwimmbecken mit so warmem Wasser haben wir nicht.

Im Barmbeker Krankenhaus in Hamburg ist allerdings ein kleines Bassin vorhanden, das, etwa zehn Meter lang, eigentlich für Unterwassermassagen bestimmt ist. Dort dürfen seit gut einem Jahr die jüngsten Hamburger Schwimmer sich üben. Aber das geht nur zweimal in der Woche – öfter ist das Bassin nicht frei. Zwölf oder dreizehn kleine Schwimmlehrlinge werden dort von Schwimmlehrern unterrichtet. Nach einem Kursus von vier bis sechs Wochen entschreiten sie als Schwimmer, und die nächsten können beginnen. Aber nur jeder zwanzigste, dessen Eltern wollen, darf.