Unterirdischer Aufmarsch zum Bürgerkrieg in Frankreich

Von Armin Mohler

Paris, im April

Man hat gesagt, die französischen Gemeindewahlen seien kein Votum gegen den General de Gaulle gewesen, sondern nur eines gegen die Gaullisten. Die Stellung des Staatschefs sei noch unerschüttert wie zuvor. Das stimmt zumindest insoweit, als immer noch die Mehrheit des französischen Volkes hinter de Gaulle steht. Aber tut sie das noch aus denselben Gründen wie im Herbst?

Damals war man dem General dankbar dafür, daß er den Bürgerkrieg verhindert hatte, und man vertraute darauf, daß er nun Frankreich in eine bessere Zukunft führen werde. Diese Hoffnungen haben sich – ob zu Recht oder zu Unrecht – seither zum größten Teil verflüchtigt. Weshalb heute eine Mehrheit des französischen Volkes sich an de Gaulle klammert, läßt sich durch die bange Frage andeuten: „Was kommt nach de Gaulle?“

Der Aufbau der Fünften Republik wird mehr und mehr durch einen anderen Vorgang aus dem Mittelpunkt des Interesses gedrängt. Immer mehr Franzosen beginnen zu erkennen, daß es in ihrem Lande politische Lager gibt, die alle ihre Kräfte auf die Vorbereitung für „einen neuen 13. Mai“ konzentrieren – sei es nun auf seine Durchführung oder auf seine Abwehr.

Kräfte im Schatten de Gaulles