Schier ergreifend ist es, welche Sorgen man sich um unsere Luftfahrtindustrie macht. Sie, die sich erst ab 1955 als „Spätheimkehrer der deutschen Wirtschaft“ rühren durfte und obendrein mit finanziellen Bürden aus Kriegs- und Vorkriegszeit belastet ist, könnte möglicherweise durch Staatsaufträge für Nachbauten von ausländischen Militärflugzeugtypen „hochgezüchtet“ werden, um sich später nach Vorbild ausländischer Mammutunternehmen, „von Subventionen zu mästen“.

Es wundert, daß der Vorsitzende des Präsidiums des Bundesverbandes der Deutschen Luftfahrtindustrie, Dr. Rothe, kürzlich in Hamburg überhaupt noch Stellung zu solchen Reden nehmen mußte. Die bundesdeutsche Luftfahrtindustrie hat heute ganze 20 000 Beschäftigte. In den USA sind es etwa eine Million, in England eine dreiviertel Million, in Frankreich eine viertel Million Arbeiter und sogar in Mitteldeutschland gibt es fünftausend mehr als bei uns. Kein einziges bundesdeutsches Werk reicht personalmäßig an geläufige Mittelgrößen in west- und östlichen Großstaaten heran. Morgen wird das nicht viel anders sein, selbst bei einigen Staatsaufträgen für Lizenzbauten.

Es ist erstaunlich, daß gerade in Deutschland, dem Ursprungsland der Luftfahrt, Angst vor dem Wiederaufbau der Luftfahrtindustrie gezeigt wird. Hat man sich schon für moderne Luftfahrt entschieden, so ist eine bescheidene eigene Luftfahrtindustrie als Service sowie für den laufenden Bedarf die Mindestkonsequenz. Die deutsche Eiche kann auch hier nicht in den Himmel wachsen; denn dazu ist die ausländische Konkurrenz zu groß. K.