Der Berichterstatter gesteht, daß er angesichts der Stapel vqn Taschenbüchern, die sich vor iaht auftürmeli opneNcffö alle Übersetzungen aus deni Griechischen: und Lateinischen, also dem so genännfieVKtässfecheärlöiertum" enthalten, fast verzweifelte. Immer, wenn er glaubte, er habe sich durch den Berg durchgefressen, gabs schon wieder neue Bücher.

Ich kenne kaum eine Reihe, die nicht Übersetzungen antiker Schriftsteller herausbringt. Würden diese Autoren nicht gekauft, hätten die Hersteller wohl längst die Lust verloren. Werden sie aber auch gelesen? Viele Menschen werden froh die Gelegenheit ergreifen, Werke zu lesen und zu besitzen, die früher nur in teuren Spezialausgaben zu haben waren. Freilich, die Reihen appellieren auch an den Sammeleifer, und so wird mancher Band einfach der "Vollständigkeit" halber erworben werden. Rowohlts Klassiker der Literatur und der Wissenschaft zu empfehlen, dürfte sich erübrigen. Der Verlag hat in Ernesto Grassi einen Herausgeber gefunden, dem es ernst ist um die Bewahrung der europäischen Tradition. Als erster Band, und das ist ein Programm, erschien ein PltttonBand, Weitere folgten, und mit Band VI werden sämtliche Werke des griechischen Philosophen vorliegen.

Platon, Sämtliche Werke; in der Obersetzung von Friedrich Schleiennacher, herausgegeben von Walter F. Otto, Ernesto Grassi und Gert Plamböck; Band I: Rowohlts Klassiker Nr. 1; Band II: Nr. 14; Band III: Nr. 27; Band IV: Nr. 39; Band V: Nr. 47; Band VI soll demnächst folgen; Rowohlt Verlag, Hamburg; jeder Band DM.

Die Herausgeber dieser Bände verzichten auf eine Einleitung und ein Nachwort. Zu jedem Dialog werden jedoch eine "Gliederung" gegeben, eine Bibliographie und Angaben tiber "Gesamtdarstellungen der Platonischen Philosophie". Die Auswahl des zitierten Schrifttums mag nicht leicht gefallen sein, denn die Literatur über Platon ist uferlos. Dazu kommt noch ein weiteres: Platon rührt an das Selbst- und Weltverständnis des Menschen. Die philosophischen Deutungen sind daher in hohem Maße abhängig von dem Wesen des darstellenden Interpreten. Als naheliegendes Beispiel dafür sei genannt: Romano Guardini: "Der Tod des Sokrates"; eine Interpretation der Platonischen Schriften Euthyphron, Apologie, Kriton und Phaidon; Rowohlts deutsche Enzyklopädie (Nr. 27); Rowohlt Verlag, Hamburg; 1 90 DM. Es liegt nicht nur an der Entwicklung der Sprache, daß immer wieder von neuem der Versuch gemacht wird, Platon zu übersetzen. Die bekannteste, auch der Rowohlt Ausgabe zugrunde liegende Übersetzung ist die Schleiermachers. Nur für die Briefe mußten Hieronymtts und Friedrich Müller eintreten.

Daß die Echtheit der Briefe umstritten ist, sieht man nur aus dem Titel "Die unter Platons Namen überlieferten Briefe Wer sich über das Echtheitsproblem orientieren will, muß sich an die "Bibliographie" halten. Hier wäre allerdings eine kleine Hilfe in dem Gestrüpp erwünscht: Wer das Problem nicht kennt, wird auch mit Hilfe der "Bibliographie" nicht zurechtkommen. Daß den "Sämtlichen Werken" eine einzige Übersetzung zugrunde gelegt wurde, gibt ihnen den Vorzug der Einheitlichkeit. Ob uns allerdings die Schleiermachersche Übersetzung auf den Ton des Originals stimmt, das ist eine andere Frage.

Rowohlts "Platon" ist eine Art Studienausgabe, gewissermaßen der deutsche Teil einer zweisprachigen Ausgabe. Dazu trägt auch die Angabe der Paginierung der Stephanus Edhlon (Paris 1578) bei, nach der heute noch zitiert wird. Jeder Satz des deutschen Textes ist somit leicht im Griechischen nachzusehen — und umgekehrt. Das hat aber gewisse Schwierigkeiten mit sich gebracht, denn der Text, der Schleiermacher vorlag, war nicht an allen Stellen gleich dem der modernsten Gesamtausgabe von Burnet (Oxford 1899—1906). An einigen Stellen, wo dies dringend geboten schien, haben die Herausgeber daher etwas nachgeholfen, vor allem im "Parmenid es", Einen anderen Weg, der auch zu einem anderen Ziel führen soll, schlug Fischer ein. Zwei Bände enthalten acht Dialoge und den VII. Brief — Platon: "Sokrates im Gespräch" (Apologie, Kriton, Phaidon, Gastmahl); Fischer Bücherei (Nr. 24), Frankfurt am Main und Hamburg; 2 20DM.

Platon: "Mit den Augen des Geistes" (Protagoras, Euthyphron, Lysis, Menon; Der VII. Brief); Fischer Bücherei (Nr. 97), Frankfurt am Main und Hamburg; 2 20 DM.