Auf dem Amazonas befindet sich in diesen Tagen das Turbinenschiff „Ariadne“ der Hamburg-Amerika Linie. 1500 Kilometer stromaufwärts bis Manaos bringt der 7500-Tonner zum erstenmal Touristen. Amerikanische Reisende sind dem Werbeslogan der HAPAG: „Erholung, Erlebnis, Entspannung“ gefolgt. Am 2. Juni wird das Schiff wieder in Hamburg festmachen, ehe es auf Nordland- und Rußlandfahrt geht.

Die Hapag hat eine jahrzehntelange Tradition innerhalb der Seetouristik. Nach dem Kriege wurden die Hapag-Lloyd-Mittelmeerreisen mit der jugoslawischen Reederei Jadranska Linijska Plovidba beliebt. Die politischen Spannungen im östlichen Mittelmeergebiet ließen es indes der Hapag im letzten Jahr ratsam erscheinen, die „Ariadne“ rentabler in der von amerikanischen Touristen immer mehr gesuchten Karibischen See, von New Orleans aus, einzusetzen. In diesem Bereich nun hat tatsächlich die „Ariadne“ den „Faden“ aufgehoben, der einen Weg zum weiteren Ausbau der deutschen Seetouristik weist. Das Echo bei den Amerikanern war groß. Die Reiseagentur „American Express“ hatte fleißig die Werbetrommel gerührt. New Orleans erwies sich als ein günstiger Abfahrtshafen, weil dort die Konkurrenz vorläufig weniger hart ist als in New York. Indes von New York aus setzte die Hamburg-Atlantik-Linie ihre im vorigen Jahr erworbene „Hanseatic“ ebenfalls mit Erfolg zu „Sun-Way Cruises“ ein. Dieser 30 000-Tonner – gegenwärtig das größte deutsche Passagierschiff – steht mit 1165 Plätzen in der Atlantik-Sommersaison zwar im Liniendienst, wurde jedoch im Februar „mit wenigen Handgriffen“ zum Karibik-„Kreuzer“ mit 600 bis 700 Plätzen umgewandelt. Trotz größter Konkurrenz war das Schiff auf dieser Reise ausverkauft. Dabei sind die Preise dieser Erholungsreisen nicht gerade niedrig. (Auf der „Ariadne“ zum Beispiel kostet der Tag im Schnitt 50 Dollar.) Nur wenige Bundesrepublikaner nahmen an diesen Fahrten teil.

Am 9. Juli wird das 32 000-BRT-Turbinenschiff „Bremen“ unter der weißblauen „Anker- und Schlüssel“-Flagge des bremischen Norddeutschen Lloyd nach New York ihre Jungfernreise antreten. Auch die „Bremen“ ist ganz auf Erholungsreisende eingestellt und wird nicht nur im Liniendienst nach New York eingesetzt werden. Sogar medizinische Bäder und Kneippkuren werden für die Gäste auf hoher See eingerichtet. Wie „Ariadne“ und „Hanseatic“ soll die „Bremen“ in das amerikanische Geschäft einsteigen. H.-H. K.