r. g., Stuttgart

Das gelbe Stahlgerüst, das vor einer Scheune in dem Dorf Neuhausen bei Stuttgart steht, ist mitnichten ein landwirtschaftliches Gerät: Es gehört zur Abschußbasis einer V 2. Und in der Scheune lagert nicht das berühmte Filderkraut, das in dieser Gegend angebaut wird: Es sind Raketenteile, Dokumente der Raketenentwicklung, historische Dokumentarfilme und anderes Anschauungsmaterial, das zeigt, wie herrlich weit es der Mensch gebracht hat – „bis an die Sterne weit“...

In den Sternen steht allerdings auch geschrieben, was mit diesen Kisten und Kästen eigentlich geschehen soll; denn das Deutsche Raketen- und Raumfahrtmuseum hat es noch gar nicht herrlich weit gebracht. Während Russen und Amerikaner um die Wette Raketen in den Weltraum schießen, machen allerhand Kalamitäten dem Deutschen Raumfahrtmuseum hienieden noch sehr zu schaffen.

Das Museum ist bereits am 1. November 1952 von der Deutschen Gesellschaft für Raketentechnik und Raumfahrt in Stuttgart ins Leben gerufen worden. Aber bisher besteht sein ganzes Leben darin, daß die Museumsbestände, die ziemlich rasch beieinander waren, in eben jener Scheune zu Neuhausen und in einer Doppelgarage im nahen Remstäler Weinort Schnait umherliegen.

Von Zeit zu Zeit werden die Kisten verladen und ihr Inhalt zusammen mit der fast vollständigen V 2, die Wernher von Braun gestiftet hat, der Öffentlichkeit gezeigt. Seit seiner Gründung hat das Museum elf Ausstellungen veranstaltet, davon vier im Ausland.

So verwunderlich der seit sechs Jahren währende Interimszustand in einer Zeit auch ist, in der bereits die Pennäler Raketenklubs gründen, so bedenklich erscheint er, wenn man von Museumsleiter Albert Fritz hört, was auf dem Spiel steht: Der Mangel eines Museumsraums und einer staatlich anerkannten Organisation werde die Amerikaner voraussichtlich daran hindern, dem Raketenmuseum das Material ihrer Ausstellung „Unbegrenzter Raum“ zu vermachen.

Wer die Ausstellung gesehen hat, weiß, welches instruktive Anschauungsmaterial da verlorenginge. Möglicherweise wird aber auch das Peenemünde-Archiv, das fast alle historischen Dokumente der Raketenentwicklung in Peenemünde enthält und erst vor kurzem aus Huntsville nach Deutschland gekommen ist, nicht in Stuttgart (wo man sich seit Jahren darum bemüht hat), sondern woanders seinen Platz finden. Wertvolle Stücke wie die ersten Flüssigkeitsraketen von Winkler, Tiling-Raketen, Dokumente Valiers und Ganswindts, Explorersatelliten der „Nullserie“ aus Huntsville, Höhenraketen aus den USA und aus Japan werden außerdem zur Zeit noch zurückgehalten, bis ein wirkliches Museum existiert. „Wenn dieses nicht bald geschaffen wird, besteht die Gefahr, daß die Stücke dann nicht mehr verfügbar sind“, meint Direktor Fritz.