Die demokratische Optik der Schutzvereinigungs-Vorschläge – HV als Komödie

Von Curt Eduard Fischer

Die jährliche „ordentliche“ Hauptversammlung sollte der „große Tag“ für die Praktizierung eines Aktienrechts sein, das mit den demokratischen Grundzügen unserer Wirtschaftsordnung in Einklang steht. Leider ist dies seit langem und in vielen Fällen nicht so! Dem Berliner Lokaloriginal, dem Bankier Fürstenberg, dem sicherlich wesentlich mehr bittere Bonmots in den Mund gelegt werden, als ihm bei allem Sarkasmus einfallen konnten, meinte mit der kolportierten Äußerung, die Versammlung der Aktionäre sei eine „schlecht gespielte Komödie“, wohl nichts anderes als das, was jedem Sachkundigen geläufig ist und bis in unsere Tage gilt:

Die eigentlichen Entscheidungen über den zukünftigen Kurs der Geschäftsführung einer AG und hinsichtlich der Billigung der „Rechenschaft“ der Fremdverwalter vor den Eigentümern finden gar nicht in der HV statt, sondern sind in andere Gremien – häufig in solche, die überhaupt nicht im Aktiengesetz vorgesehen sind – „vorverlegt

Deshalb ist diese HV für den erfahrenen Bankier (und nicht nur für diese!) ein vom Gesetzgeber aufgezwungenes Schauspiel, wobei die Regie dann „schlecht“ ist, wenn sie diese Tatsache nicht oder nur unzureichend zu kaschieren versteht.

Die jährliche Versammlung der Aktionäre zur Entgegennahme der Rechenschaft der Verwaltungsträger ist nicht erst seit Inkrafttreten des derzeitig geltenden Aktiengesetzes von 1937 ein solches „Schauspiel“ mit durchsichtiger Regie. Schon Jahrzehnte zuvor hatte sich im Bereich der Großunternehmen ein autokratischer Grundzug durchgesetzt. Gerade ausländische Betrachter und Kritiker der Geschichte des deutschen Aktienwesens haben klarer als wir Deutsche erkannt, daß die Verwirklichung des „Führerprinzips“ in der Aktiengesetzfassung vom 30. Januar 1937 lediglich eine Legalisierung praktisch längst schon vorherrschender Machtverhältnisse war.

Mehr Rechte für den Aktionär