Die Männer, die die Fundamente für den wirtschaftlichen Zusammenschluß Westeuropas legen, wissen weit über die Grenzen der Bundesrepublik hinaus, wie sehr sich Franz Blücher um ihre gemeinsame Aufgabe verdient gemacht hat. Sie wissen es besser als die meisten unserer Landsleute, denn seine wirkungsvollste Arbeit hat Blücher in der Stille, im Gespräch mit den Experten, getan. So wirkte er in der OEEC, so später in der Montan-Union. In der Bundesrepublik leitete er acht Jahre lang zunächst das Ministerium für Angelegenheiten des Marshall-Planes, später das für wirtschaftliche europäische Zusammenarbeit. In den ersten beiden Kabinetten Adenauers war er Vizekanzler.

Blücher wurde erst in seinen späteren Jahren aktiver Politiker. Nach dem Zusammenbruch gründete er mit anderen die Freie Demokratische Partei, deren Führung er übernahm, nachdem Professor Heuss zum Bundespräsidenten gewählt worden war. Blücher sah die Dinge in vielem nüchterner als sein Nachfolger Thomas Dehler, der ihn im Jahre 1954 in der Parteiführung ablöste. Die Wahlniederlage der FDP im Jahre 1953 hat Blücher schwer getroffen. Jetzt fühlte er, daß der Liberalismus, dessen Ausstrahlungen weit in die beiden großen Parteien hineinreichen, die Kraft zur Formung eigener politischer Organisationen immer mehr verliert. Blücher war ein müder resignierter Mann, als er mit etwa einem Drittel der FDP im Jahre 1956 die Partei verließ und eine neue liberale Partei zu gründen versuchte. Der Parteiapparat der FDP versagte sich ihm und der Versuch schlug fehl. R. S.