Am 14. April ist Händels 200. Todestag. Man hat den Eindruck, als ob die Schallplatte anläßlich dieses bevorstehenden Jubiläums nun endlich mehr Systematik in die Erfassung des Werkes dieses großen Deutsch-Engländers bringen wollte.

Georg Friedrich Händel: Orgelkonzerte Nr. 2, 4, 8, 16; Geraint Jones mit Wilhelm Schlichter (Electrola). Orgelkonzerte op. 4, 1–4; Eduard Müller mit der Schola Cantorum Basiliensis unter August Wenzinger. Konzert für Harfe oder Orgel und Orchester op. 4, 6; Nicanor Zabaleta, Harfe, mit dem Rias-Orchester unter Ferencz Fricsay (Archivprod. der Deutschen Grammophon Gesellschaft). Zwölf Orgelkonzerte op. 4 und op. 7; Karl Richter und sein Kammerorchester (Decca). Sechs Orgelkonzerte op. 4; E. Power Biggs mit dem Londoner Philh. Orchester unter Adrian Boult (Philips).

Eine wichtige Werkgruppe, die jetzt nahezu vollständig vorliegt, sind die Orgelkonzerte. Diese Kompositionsgattung hat Händel begründet. Mit seinem lebhaften Sinn für Klangfarben hat er aus ihnen Symbole unbeschwerter Daseinsfreude gemacht. Es existieren im ganzen etwa zwanzig. Die zwölf wichtigsten finden sich in op. 4 und op. 7 zusammengefaßt. Zehn von ihnen sind Originalkompositionen, bei zweien hat der Komponist auch frühere Arbeiten verwandt.

Der deutsche Katalog weist zunächst vier einzelne Konzerte (davon drei aus diesen beiden Gruppen) auf. Sie werden von dem englischen Organisten und Dirigenten Geraint Jones unter Mitwirkung von Wilhelm Schlichter gespielt. Hinzu kommen die ersten vier aus op. 4. Diese trägt Eduard Müller mit der Baseler Schola Cantorum unter der Leitung von August Wenzinger vor. Zu den durchweg ausgezeichneten Aufnahmen gesellt sich neuerdings ein Album mit sämtlichen zwölf Konzerten op. 4 und op. 7 (von Karl Richter und seinem Münchener Kammerorchester dargeboten), ferner ein zweites mit dem geschlossenen op. 4, das der englische Organist E. Power Biggs mit dem Londoner Philharmonischen Orchester unter Adrian Boult spielt.

Die für die Darstellung der Orgelkonzerte Händels wichtigsten Momente sind: 1. die Ausfüllung der dem Orgelvirtuosen zur Ergänzung offen gelassenen, im Manuskript nur mit wenigen Führungsnoten angedeuteten, kadenzartigen Partien; 2. die klangliche Balance zwischen Orgel und dem äußerst sparsam bemessenen Orchesterpart.

Während das erste Problem von allen hier genannten Künstlern mit gleich vollendetem Stilgefühl gelöst wird, besteht hinsichtlich des zweiten ein Unterschied: Jones, Müller und Richter benutzen moderne Orgeln; Biggs indessen ist es gelungen ein guterhaltenes Instrument ausfindig zu machen, das seinerzeit nach Händels Anweisungen gebaut wurde und auf dem der Komponist selber gespielt hat.

Damit sich nun kein Vorurteil entwickeln möge, sei ausdrücklich betont, daß in den drei ersten Fällen die Künstler einfache, den alten Orgeln genau entsprechende Register verwenden: Sie dröhnen nicht, sie musizieren und lassen dem dynamisch gleichberechtigten kleinen Orchester sein farbliches Eigenleben.