Immer bequemer soll es der Reisende, der Mensch, der irgendwohin fährt, haben. Das Reisen soll ihm leicht und angenehm gemacht werden, denn die Reiseorganisationen wünschen: er soll viel unterwegs sein. Wer sich einem Reiseunternehmen, der Bahn, einer Fluggesellschaft anvertraut, der wird alsbald wie ein Kind bemuttert und verwöhnt, damit er sich nur wohl fühlt und nicht meint, zu Haus habe er es besser. Am meisten gerühmt wird der Service der Luftgesellschaften, die sich ja mit diesem Kundendienst die heftigsten Konkurrenzgefechte liefern.

Wie weit dieser Dienst am Kunden geht und wie exakt er arbeitet, das wurde mir bei einem Flug von Hamburg nach Nizza klargemacht. Ich hatte es besonders eilig, und so blieb mir zum Umsteigen in Paris nur eine ganz knappe Zeit, in der ich von Orly zum Flugplatz Le Bourget mußte, und dazwischen lagen noch die Omnibusfahrt durch die ganze Stadt, zum Aerogare Invalides, dem Pariser Stadtbahnhof der weit draußen liegenden Flughäfen, durch den jeder Fluggast geschleust werden muß, und wieder hinaus auf den nächsten Flugplatz. Dazu mußte auch das Gepäck durch die Zollkontrolle in das neue Flugzeug am anderen Ende von Paris. Aire France übertraf sich bei diesem Wettlauf mit der Zeit selbst.

Kaum war die Maschine in Orly angekommen und mein Koffer ausgeladen, da nahm mich eine Stewardeß durch eine Hintertür des Gepäckraumes, wo schon der Busschaffner meinen Namen ausrief. Ich wurde von Hand zu Hand gereicht, gezogen, dirigiert. Mal war es eine chic in Dunkelblau gekleidete Frau mit dem Abzeichen der Fluggesellschaft, mal ein Bediensteter in Uniform, die sich um mich bemühten. Es fehlte nur noch, daß sie mir ein Schild umhängten „Ich heiße Fritzchen und will nach Nizza“. Aber es klappte alles großartig, und die letzte Stewardeß, die mich in Empfangnahm in dem kleinen Flugzeug der Südlinie mit einem „vite, vite, Madame“, hatte das strahlendste Lächeln, sobald ich angeschnallt in der Maschine saß.

Mit dem Charme von Mannequins und der unermüdlichen Hilfsbereitschaft von Krankenschwestern machen aber nicht nur die Luftstewardessen den Reisenden das Vorwärtskommen leicht und angenehm, auch in Kurorten wie Pyrmont oder Travemünde sind junge Damen in einheitlichen eleganten Kostümen, die sie schon von weitem sichtbar machen, Helferinnen in allen Nöten, wandelnde Auskunftsbüros, unentbehrliche Beraterinnen. Auf Ausstellungen wie in Brüssel haben sie sich bewährt, und auch in vielen Zügen wurden sie eingesetzt. Sogar ein Ministerium will es mit Charme versuchen, ein französisches natürlich. Das Finanz- und Wirtschaftsministerium in Paris hat angeordnet, daß an allen größeren Grenzübergangsstellen Frauen den einreisenden Ausländern „die unvermeidlichen Unannehmlichkeiten der Zollkontrolle weniger fühlbar machen sollen“.

Nun hat auch die Hamburger Fremdenverkehrs- und Kongreß-Zentrale ihre Damen hinter den Schaltern und beim Hotelnachweis im Hauptbahnhof hübsch herausgeputzt. Der zuständige Senator hat Kosten nicht gescheut, und die Meisterschule für Mode hat hummerrote Kostüme entworfen, einfach, chic. Das leuchtet nun freundlich und einladend hinter den Ladentischen der geschäftigen Hallen. Es müßte doch möglich sein, Reisende so zu verwirren, daß sie vergessen, ihr Hamburger Zimmer abzubestellen, und drei Wochen länger bleiben! Wenn im kommenden Jahr wieder mehr in- und ausländische Gäste nach Hamburg kommen, und sicher wird das so sein, dann werden auch die liebenswürdigen und tüchtigen Hamburger Krabben am Hauptbahnhof viel dazu beigetragen haben. em