Für eine starke Rücklagenbildung gegen die wirtschaftlichen Wechselfälle plädierte Vorstandsmitglied Dr. Biber in der HV der Bayerischen Vereinsbank, München, zumal im Zuge der freien Konvertibilität der meisten europäischen Länder eine neue Bewährungsprobe des Bankengewerbes bevorstehe. Dr. Biber, der nach vierzigjähriger Tätigkeit bei dem Institut aus dem Vorstand ausscheidet und dem auf 24 Mann erweiterten AR zugewählt wurde, erteilte einer volumenmäßigen Expansion um jeden Preis eine Absage zugunsten der Sicherung eines dauernden Ertrages. Obwohl sich die Vereinsbank im Wettlauf um die größtmögliche Volumenausdehnung bewußt zurückgehalten habe, dagegen vor allem außerhalb des eigenen engen Geschäftsbereiches Anlagemöglichkeiten gesucht habe, wurde 1958 die stärkste Zunahme der Bilanzsumme seit der Währungsreform erreicht.

Im laufenden Jahr hätte etwa die gleiche Tendenz wie 1958 angehalten. Wohl in Erwartung zahlreicher angekündigter neuer Anleihen sei nun an dem bis Ende Februar noch sehr aufnahmefähigen Kapitalmarkt eine gewisse Zurückhaltung zu bemerken. Bei einem Absatz von etwa 80 Mill. DM eigener Schuldverschreibungen in den ersten beiden Monaten 1959 hat die Vereinsbank den Überhang der aus dem Vorjahr zugesagten Darlehen weitgehend refinanziert. Von der Erweiterung der Bilanzsumme bis Ende Februar auf 2,285 (2,258) Mrd. DM profitierte die Hypothekenabteilung. Gleichzeitig waren die Darlehenszusagen mit 26 Mill. DM wesentlich höher als in der gleichen Vorjahrszeit. Der Darlehensbestand der Hypothekenabteilung erreichte Ende Februar fast 830 Mill. DM. Eine Verringerung von etwa 10 Mill. DM bei den Debitoren wurde durch Erhöhung des Wertpapier-Portefeuilles um 16 Mill. DM ausgeglichen. Das Institut rechnet zwar nicht mehr mit den gleichen Sondergewinnen wie im Vorjahr, beurteilt die weitere Entwicklung aber dennoch zuversichtlich.

Die HV genehmigte einstimmig die 14 v. H. Dividende auf 50 Mill. DM AK, die nach den Worten Dr. Bibers einer 16,5prozentigen Verzinsung auf das nicht erhöhte Kapital gleichkommt. Weiter in den AR gewählt wurde Ernst Falkenheim, Rottach, ehem. stellv. Vorstandsvors. der Deutschen Shell AG und 1. Vors. des Mineralölwirtschaftsverbandes eV. – Zum ordentlichen Vorstandsmitglied wurde Dr. German Schweiger, Leiter der Hauptniederlassung Nürnberg, bestellt. t. r.

Die Landwirtschaftliche Rentenbank begibt weitere 20 Mill. DM Kassenobligationen. Ihr Zinssatz beträgt 4 v. H., der Ausgabekurs 100 v. H. Die Laufzeit stellt sich wiederum auf drei Jahre. Die Schuldverschreibungen werden ausschließlich an Banken verkauft. Sie werden durch die Landwirtschaftliche Rentenbank nach drei Jahren zum Nennwert eingelöst. Die Zinsen sind halbjährlich nachträglich zahlbar. Während die ersten Kassenobligationen der Landwirtschaftlichen Rentenbank ebenso wie die der Kreditanstalt für Wiederaufbau ohne Börseneinführung zum Lombardverkehr bei der Deutschen Bundesbank zugelassen wurden, ist dieses Mal die Zulassung an die Voraussetzung geknüpft, daß die Schuldverschreibungen in den Börsenhandel eingeführt werden, was alsbald geschehen wird. Dabei ist allerdings nicht an die amtliche Notierung, sondern an den geregelten Freiverkehr gedacht.