Dänemark könnte sich nicht allein ohne die nordischen Länder der EWG anschließen: Es würde sich damit in die Randlage zum EWG-Raum hineinmanövrieren, in der sich Schleswig-Holstein heute befindet!“ – mit diesen Worten kommentierte der dänische Handelsminister Prof. K. Philipp kürzlich vor der Vollversammlung der Industrie- und Handelskammer Kiel die neue Situation Schleswig-Holsteins in der Ägide der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft. Dieser gleiche sorgenvolle Unterton beherrscht auch die eigene Stellungnahme der Wirtschaft Schleswig-Holsteins in dem Jahresbericht 1958 seiner größten Industrie- und Handelskammer. Es ist charakteristisch für diese Darlegungen, daß man im Grunde in der Kieler Kammer keine größeren neuen Zukunftsprobleme auf sich zukommen sieht als die, die schon in den letzten Jahren angeschnitten werden mußten – Fragen des Standorts, des Verkehrs, der Energieversorgung, der exportorientierten Werftindustrie: Nur sind diese Probleme jetzt weit prononcierter als je. Man war bisher Randgebiet der Bundesrepublik mit den daraus resultierenden Sorgen. Jetzt wird man Randgebiet des EWG-Raums, und die Sorgen beginnen sich zu verschärfen. Sie betreffen auch nicht den Kammerbezirk Kiel oder Schleswig-Holstein allein; man beginnt in Kiel großräumiger zu denken: Mit dem EWG-Beginn „geraten sichtbar die nordwestdeutschen Räume in eine Schicksalsgemeinschaft, die sie zwingt, noch enger als bisher zusammenzuarbeiten“.

Es ist indes nicht zu verkennen, daß die EWG-Entwicklung auch der schleswig-holsteinischen Wirtschaft neue Absatzgebiete verschaffen wird. Die Neuansiedlung dänischer Betriebe läßt erkennen, daß auch von anderen Richtungen her positive Impulse von der EWG erwartet werden können. Dennoch wird es von Bonn aus den Randgebieten nicht eben leichtgemacht, optimistisch in die Zukunft zu sehen. Die Einführung des Kohlenzolls, die zugunsten des Wohlstandszentrums der Bundesrepublik an Rhein und Ruhr die Küstenländer eines ihrer wenigen Standortvorteile beraubt, ist kein gutes Omen für die bevorstehenden Aufgaben der Standortpolitik. Ein wahrhaft „schwarzes Kapitel“. Auch die bisher mehr als vorsichtige Behandlung der Anliegen der Werftindustrie in Sachen Exportförderung durch Bonn muß in Schleswig-Holstein bedenklich stimmen, dessen Werftindustrie mit dem Wachsen der „Kontinentbezogenheit“ der westdeutschen Wirtschaft im EWG-Raum weit über zwei Drittel ihres Absatzes in Gefahr sieht. Gerade die Werftindustrie ist – mit einem Fünftel aller Industriebeschäftigten des Landes – der weitaus größte Industriezweig und die entscheidende Konjunkturstütze dieses Wirtschaftsraumes. St.