Von Ruth Herrmann

John Belitz, bürgerlich Johann Maria Blitzki, prominenter deutscher Schriftsteller, geboren 1898, ist Mittelpunkt und negativer Held eines umfangreichen Romans, für den sein Autor soeben einen Berliner Kunstpreis, den „Preis der Jungen Generation“, erhielt.

Heinz von Cramer: „Die Kunstfigur“; Verlag Kiepenheuer & Witsch, Köln; 697 S., 19,80 DM.

Der mit zweitausendfünfhundert Mark dotierte Preis wurde Heinz von Cramer für seine „kritische Auseinandersetzung“ in diesem Roman zuerkannt, die kritische Auseinandersetzung mit der deutschen Innengeschichte dieses Jahrhunderts.

Diese kritische Auseinandersetzung ist eigentlich der Roman selbst. Denn der Darstellung der vergangenen sechzig Jahre dient das Leben des Autors Belitz. Cramer greift den Teil des deutschen Wesens an, an dem die Welt nie genesen ist und von dem ein großer Teil der Deutschen vermutlich niemals wird genesen können.

Die essayistische Präzision dieser Auseinandersetzung ist dem Autor so wichtig, daß er ihr erlaubt, sich immer wieder in den Vordergrund zu drängen, wo sie dann oft die lebenden Formen einer Figur verwischt.

Trotzdem gelingt es Cramer, einen Roman zu schreiben: weil die Konturen des Helden selbst, der Kunstfigur, nicht dem Essay zum Opfer fallen können.