Die Hüttenwerke Siegerland AG, Siegen, ist mit ihrem Haupterzeugnis, dem Feinblech, mit dem das Unternehmen im Bundesgebiet einen Marktanteil von knapp 30 v. H. hält, nicht so nachhaltig in die Stahlflaute hineingeraten wie Hüttenwerke mit anderen Stahlprogrammen. Beim Feinblech haben sich Absatzschwierigkeiten erst in der zweiten Hälfte des Geschäftsjahres 1957/58, über das Siegerland jetzt sehr offenherzig berichtet, bemerkbar gemacht. Die zu .Beginn des Geschäftsjahres noch gute Absatzlage hat sich entsprechend auf den Jahresdurchschnitt ausgewirkt, so daß die Hüttenwerke Siegerland mit vergleichsweise zufriedenstellenden Produktions- und Umsatzzahlen für das vergangene Geschäftsjahr aufwarten können. Allerdings zeigen die bisherigen Ergebnisse des Jahres 1958/59 den gleichen Abwärtstrend wie die Zahlen der Stahlindustrie insgesamt.

Der Brutto-Fremdumsatz des Konzerns stieg im Berichtsjahr auf 610 (591) Mill. DM. Der Umsatz stieg bei Siegerland allein um 20 Mill. DM und bei der Blefa Blechwaren- und Faßfabrik GmbH um 9 Mill. DM. Dagegen gab es einen Umsatzrückgang bei der Friedrichshütte AG. Im neuen Geschäftsjahr ist der Umsatz rückläufig. Der Monatsdurchschnitt im ersten Quartal 1958/59 ist auf 41,9 (50,7) Mill. DM zurückgefallen. Im Januar 1959 sind noch 39,9 und im Februar 36,0 Mill. DM erzielt worden. Der Exportanteil am Fremdumsatz ist in 1957/58 auf 16,4 (20,6) v. H. gesunken. Die Erlöse sind merklich zusammengeschmolzen, so daß der wertmäßige Exportanteil über die absolute Ausfuhrmenge des Unternehmens keinen Aufschluß gibt. Nach den Erklärungen des Vorstandes hat sich Siegerland aber auf Grund der schlechten Preise im Export bewußt zurückgehalten.

Insgesamt gesehen haben die Lieferungen während des ganzen Jahres 1957/58 und insbesondere auch in den ersten Monaten des neuen Geschäftsjahres über den Auftragseingängen gelegen. Der Auftragsbestand der Hüttenwerke Siegerland AG betrug am 10. März 1959 noch 114 700 t gegenüber rund 185 200 t zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres. Dieses Polster sichert den Betrieben immerhin eine Beschäftigung von 2 1/2 bis 3 Monaten. Damit ist Siegerland vergleichsweise sehr gut mit Aufträgen eingedeckt. Dennoch macht gerade der in den Siegerland-Erzeugnissen zunehmende Import aus den Ländern der Montan-Union, den USA, Großbritannien und Österreich Sorgen. Das Vorstandsmitglied Rudolf Ganz erklärte dazu, daß die hohen Einfuhren nicht „aus Gründen der Qualität und mangelnder Kapazität, sondern infolge der niedrigen, zum Teil staatlich gesteuerten, beeinflußten oder gar manipulierten Preise“ zustande kämen. Dabei bereitet hier nicht nur die bekannte Entwicklung in Frankreich – die den dortigen Hütten- und Walzwerken nach der zweimaligen Abwertung des Franc einen Währungsvorteil verschafft – Sorgenfalten, sondern auch z. B. England und Österreich, die mit gewachsenen Kapazitäten in Flachstahl nach entsprechenden Absatzmöglichkeiten suchen und einen Preiskampf offensichtlich aufnehmen können.

Besonders betroffen von der Marktabschwächung waren die oberflächenveredelten Bleche. Die Weiß- und Feinstblechproduktion blieb im Berichtsjahre mit 51 712 (69 396) t und verzinkte und verbleite Bleche mit 25 856 (28 740) t hinter der Vorjahrserzeugung zurück. Mit der Inbetriebnahme einer neuen elektrolytischen Bandverzinnungsanlage im Werk Wissen – mit einer Leistungsfähigkeit von 4500 t im Monat – hofft die Gesellschaft indessen, ihren Marktanteil künftig halten zu können und verlorenes Terrain wiederzugewinnen.

Von der Ertragsseite her gesehen ist Siegerland – verglichen mit anderen – noch gut über die Runden gekommen, wozu einmal die erwähnte noch befriedigende Marktlage für Feinblech im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres beigetragen hat und nicht zuletzt aber auch der Fortschritt in der Modernisierung und Rationalisierung der Werksanlagen. Bereits im Berichtsjahre konnten die Investitionen auf 16,4 (27,3) – bei Siegerland allein 13,0 gegenüber 22,9 – Mill. DM zurückgeschraubt werden, weil die Ausbauphase der Unternehmensgruppe beendet ist. Auch die künftigen Investitionen sollen ausschließlich der Rationalisierung dienen; Kapazitätserweiterungen sind nicht mehr vorgesehen. Im laufenden Geschäftsjahre sind Investitionen von 15 Mill. DM geplant; sie werden sich in etwa mit dem Abschreibungsvolumen die Waage halten.

Wie der Vorstand in einer Pressekonferenz mitteilte, ist das Ergebnis trotz allem schlechter als im Vorjahre. Die Beibehaltung der Dividende von 9 (9) v. H. auf 46 Mill. DM Aktienkapital ist nur unter Berücksichtigung der Körperschaftsteuerermäßigung auf den ausgeschütteten Gewinn möglich gewesen. Nmn.