Nach den Jahren des Wiederaufbaues haben sich die westdeutschen Unternehmen immer stärker dem Ausbau ihres Produktionsprogramms zugewandt, um krisenunempfindlicher zu werden. Das Ergebnis derartiger Bemühungen zeigt sich auch bei den beiden Tochtergesellschaften der International Standard Electric Corp., New York, der Standard Elektrik AG und der C. Lorenz AG, beide Stuttgart, die im April 1958 zur Standard Elektrik Lorenz AG fusionierten. Entgegen den wenig optimistischen Prognosen von Generaldirektor Abtmeyer zu Beginn 1958 konnte das zusammengefaßte Unternehmen im Jahr 1958 seinen Umsatz weiter um 15 v.H. auf 305 Mill. DM steigern. Zu diesem Erfolg hat das wider Erwarten gute Auslandsgeschäft wesentlich beigetragen. Auch für dieses Jahr, für das ein Auftragsbestand von 145 Mill. DM gegen 126 Mill. DM zum Ende 1957 vorliegt, erwartet die Verwaltung eine weitere Umsatzsteigerung um zehn bis zwölf v. H. und wieder ein gutes Exportgeschäft, da man den Ausfall in den politisch unruhigen Ländern auf anderen Märkten auszugleichen hofft. Abtmeyer wies in diesem Zusammenhang auf die absolute Konkurrenzfähigkeit der deutschen Elektroindustrie hin.

Besondere Exporterfolge waren für das Unternehmen die Errichtung eines weitgehend automatischen Postamtes in den USA, für das die Berliner Werke große Teile lieferten, und auf dem Navigationsgebiet die Einrichtung von Flugplatzfunkfeuer-Anlagen der Lorenz-Werke, diet nunmehr für alle internationalen Flugplätze verwendet werden sollen. Weitere Erfolgschancen verspricht auch das Informatikwerk, das nach dem Bau einer Elektronikzentrale für ein Großversandhaus ähnliche Anlagen für die Bundesbahn und die Fluggesellschaft SAS geliefert hat. Die Ertragslage dieses Werkes ist aber noch durch hohe Entwicklungskosten belastet. Ebenso rechnet man auf das ganze Jahr gesehen auch im Fernsehgeschäft, das 1958 außerordentlich gut war, mit einer weiteren Steigerung, da man erwartet, daß sich der Absatz auf dem Ende 1958 erreichten hohen Niveau halten wird. Am meisten verspricht sich die Gesellschaft für die Zukunft aber von der Erschließung neuer Anwendungsgebiete.

In diesem Jahr will die Gesellschaft daher wieder – wie im Vorjahr – 23 Mill. DM investieren; davon entfallen 4,5 bis 5 Mill. DM auf die Berliner Werke. Sie will jedoch in diesem Jahr den Kapitalmarkt nicht in Anspruch nehmen. Entsprechend der Geschäftsausweitung wurde auch die Belegschaft in den 14 Werken (neue Betriebe wurden in Stuttgart, Eßlingen, Rastatt und Pforzheim errichtet) um sechs v. H. auf 20 260 Beschäftigte vergrößert. Nach Stärkung der Rücklagen um zwei auf zwölf Mill. DM werden 10 v. H. Dividende auf 72 Mill. DM AK verteilt. Im Vorjahr hatten Standard Elektrik ebenfalls 10 und C. Lorenz 8 v. H. Dividende ausgeschüttet. C. D.