Rückfall in den Protektionismus – Die Erdöl-Einfuhren wurden kontingentiert

Von Francesco Knescfaaurek

Mit dem Beschluß, die Erdöleinfuhr ab 1. April zu kontingentieren, hat die Eisenhower-Regierung der Kette protektionistischer Eingriffe, welche den Binnenmarkt von der immer ungemütlicher werdenden Auslandkonkurrenz abschirmen soll, ein weiteres Glied hinzugefügt.

Die Einfuhr von Rohöl und Erdölerzeugnissen (Autobenzin, Heizöl, Treibstoffe für Flugzeuge, Raketen usw.) wird durch das Dekret Eisenhowers erheblich gekürzt. Das Kontingent ist rund 15 v. H niedriger als die Einfuhr aus dem Jahre 1958 und mehr als 25 v. H. kleiner als die Einfuhr der letzten drei Monate. Einmal mehr haben sich die Protektionisten mit ihren Forderungen durchgesetzt.

Schlechtes Gewissen

Nun erklärt sich auch, warum die Reaktion der maßgebenden offiziellen Kreise in Washington auf die Einführung des deutschen Kohlenzolls so flau ausfiel. Es steht einem chronisch rückfälligen Sünder wohl am allerwenigsten zu, sich über die Sünden anderer aufzuregen! Eine scharfe Kritik und eine publizistisch breitgeschlagene Verurteilung der deutschen Maßnahme hätten sich schon deshalb nicht rechtfertigen lassen, weil die amerikanische Regierung bereits zur gleichen Zeit die Einführung eigener Kontingentierungsmaßnahmen plante.

Diesmal mußte das wehrwirtschaftliche Argument zur Begründung und Entschuldigung des protektionistischen Eingriffs herhalten. Die inländischen Erdölvorkommen – so bemerkte man – konnten in den letzten Jahren infolge der zunehmenden Importe vor allem aus Kanada und Venezuela nicht mehr optimal ausgenutzt werden. Ähnliches gilt auch für die Erschließung neuer Erdölquellen, indem die meisten Erdölkonzerne ihre Bohrversuche aus Rentabilitätsgründen immer stärker einschränkten. Die Tatsache, daß das ausländische Erdöl 25 bis 30 v. H. billiger offeriert wurde als das inländische, hatte nicht nur zur Ausschaltung zahlreicher „Grenzbetriebe“ geführt, sondern auch größere Unternehmen entmutigt, ihre Kapazität dem Bedarf entsprechend weiter auszudehnen. Eine solche Entwicklung – argumentierte man weiter – ist vom weltwirtschaftlichen Gesichtspunkt aus unerwünscht; sie stellt die Energieversorgung der amerikanischen Wirtschaft im Kriegsfall oder auch im Fall verschärfter politischer Spannungen in den erdölerzeugenden Ländern (Kanada?!) in Frage. Ein vermehrter Schutz der inländischen Erdölindustrie – folgerte man – erscheine somit im Interesse der Landesverteidigung als unerläßlich.