Kulturpolitik des Auswärtigen Amtes

Von der Absicht des Auswärtigen Amtes, die deutsche Kulturpolitik in aller Welt zu intensivieren, hört man mit gemischten Gefühlen. Die „Kultur“ ist, seit sie sich von ihrem soliden Ahnherrn, dem Ackerbau, gelöst hat und in teilweise unkontrollierbare luftige Gefilde entschwebt ist, oft zum Stiefkind einer Gesellschaft geworden, die nach Nutzwerten fragt. Es ist edel, hilfreich und gut, für Stiefkinder etwas zu tun. Dieser freundlichen Überzeugung entstammt alles, was in der oben angedeuteten Gefühlsmischung bejahend ist. Wer wollte an dem vielen guten Willen zweifeln, der auch in dem Projekt des Auswärtigen Amtes steckt!

Die Skepsis andererseits hat viele Wurzeln. Es scheint so, als ob wir ohne den Begriff „Kulturpolitik“ nicht mehr auskommen können. Und doch ist denjenigen nicht ganz wohl dabei, die sich noch mit Schrecken der Rolle erinnern, die gerade dieses Wort im Wörterbuch des Unmenschen gespielt hat. Gelehrte, Musiker, Maler und Schriftsteller wollen (meistens) Gelehrte, Musiker, Maler und Schriftsteller bleiben und sich nicht eines Tages wieder mal zu „Kulturschaffenden“ ernannt sehen, die „eingesetzt“ werden „auf dem Sektor Kunst und Wissenschaft“.

Da sich die Kultur selber schließlich jeder gesteuerten „Intensivierung“ hartnäckig entzieht, wird’s fleißig ans Organisieren und Verwalten gehen. Ein sehr tüchtiger und tatkräftiger Mann – Dr. Dieter Sattler von der Deutschen Botschaft in Rom – soll den bisherigen Leiter der Kulturabteilung des Auswärtigen Amtes ablösen. Und die Gründung eines „Beirates“ zeichnet sich auch schon ab. Na, bitte... Wenn nur nicht das unbehagliche Gefühl bliebe: daß bei der Kultur am Ende immer mehr Leute immer weniger verwalten.

Am schwersten wiegen die Bedenken, die sich an die Nennung der Zone und des Nahen Ostens durch das Auswärtige Amt in diesem Zusammenhang knüpfen. War das nur ein faux pas? Im Gegensatz zu vielen unserer Freunde unter Künstlern und Gelehrten halten wir die psychologische Kriegführung trotz dem bösen Namen für eine gute Sache – besonders dann, wenn es ihr (was durchaus noch im Bereich des Möglichen zu liegen scheint) gelänge, an die Stelle jeder anderen Art von Kriegführung zu treten. Und auch die Kulturpolitik kann trotz den Schrecken, die das Wort nicht zufällig gerade unter den „Kulturträgern“ (da wir schon mal bei dieser Terminologie sind) verbreitet, eine gute Sache sein, solange sie nicht in schlechte Hände gerät.

Aber: daß zwei Arten des „Einsatzes“ geistiger Mittel – und machen wir uns nichts vor: darum handelt es sich – jede für sich notwendig und daher wohl auch gut sind, bedeutet nicht, daß es gut wäre, sie durcheinanderzuquirlen. Im Gegenteil: das hätte zu einer neuen Diskreditierung des Geistes gerade noch gefehlt! Und dabei haben wir die letzte kaum recht hinter uns... Leo