Von Dieter E. Zimmer

Die spanische Frühlingssonne ist schon heiß und trocknet die Erde. Bald werde ich wieder in Ampurias sein. Wir gruben dort im vorigen Sommer. Im Vorgefühl eines mächtigen Tagewerks machte sich morgens die Sonne an ihre Esse, funkensprühend stieg sie. Dann erhoben wir uns von unsern Strohsäcken, aßen unser olivenölgetränktes Brot, der Koch war bereits betrunken, und den Hügel hinan schoben wir unsere Karren, zur Römerstadt. Schnell erhitzte sich das Wasser in den Tongefäßen und alle Gedanken gehörten dem Schatten, in den man mittags zurückkehren würde.

Das Wort Wetter ist in Ampurias zu harmlos. Wie schnell einem etwas so Äußerliches, denkt man, rein Meteorologisches eine neue Haltung zum Leben aufzwingt. Die arbeitswütigen Deutschen gaben bald ihre Akkordberechnungen auf, und ruhig wurde die Siesta. Durch das Fenster, fast mit Haß betrachtet, quoll die Sonne herein, nicht die güldene unserer Kinderlieder, nein, dies war die Totschlägersonne, vor der es sich zu verbergen gilt, wenn sie auffährt mit Vehemenz und Brutalität. Glaspaläste bauen wir hier, dort baut man den Schatten. Und wie kunstvoll spanische Architektur Schatten zu spenden weiß!

So lebte man in Extremen, zwischen der betäubenden Leidenschaft des Mittags und der kühlen, milden und fast feierlichen Leichtigkeit des Abends, wenn die Sonne das Feld geräumt hat und die Menschen sich in die Geselligkeit wagen. Auch die spanische Volksmusik kennt diesen Gegensatz. Immer wieder stellten sich die Verse Lorcas ein:

Grün wie ich dich liebe, grün,

Grüner Wind. Und grüne Zweige.

Denn der Hochsommer macht das Leben erstarren, so arm und so entrückt unter der dünnen Schicht der Zivilisation. Der Garten verdorrt, es verbrennen die Gräser und der Bach versiegt. Welkes und Felsen bleiben. Könnten wir je ganz Lorcas Zärtlichkeit für das Grün verstehen?