Man muß die Feste feiern, wie sie fallen – auch wenn sie mitten in eine Krise fallen. Dann vielleicht erst recht...

So traf es sich ganz gut, daß der zehnte Jahrestag der NATO mit der Eröffnung jener Ministerratssitzung zusammenfiel, bei der die fünfzehn Nordatlantikpaktmächte sich über die Konzeption einigen müssen, mit der sie den Sowjets beim Außenministertreffen im Mai gegenübertreten wollen. Das hinderte die Festtagsgäste in Washington daran, in unangebrachte Selbstgefälligkeit über das Vollbrachte zu verfallen, und es lenkte ihren Blick auf die Dinge, die noch zu tun bleiben.

Es gibt deren viele. Die Allianz ist ja keineswegs so fugendicht, wie sie sein sollte. Ihre Mitglieder sind nicht über nationale Eifersüchteleien erhaben, nicht über kleinliche Streitereien und nicht über egoistische Extratouren. Und die NATO steht auch heute noch, zehn Jahre nach ihrer Gründung, erst am Anfang jenes Integrationsprozesses, dessen schleunige Vollendung allein das Maß unserer Sicherheit zu erfüllen vermag.

Aber dessenungeachtet sollte sich keiner von den ewigen Quenglern und Kritikastern daran irremachen lassen: in den zehn Jahren seines Bestehens hat der Nordatlantikpakt, wenn es im Ost-West-Gedränge darauf ankam, noch immer funktioniert. Der Schild, wenn auch schwächer als geplant, ist fest geblieben; das Schwert, wenn auch weniger abschreckend als gedacht, ist scharf geblieben. Und jedesmal noch, wenn barsche Noten und polternde Raketendrohungen aus dem Kreml kamen, haben die fünfzehn Verbündeten ihre Reihen dichter geschlossen, Allen Mängeln des Paktes zum Trotz. Th. S.