Breite Bevölkerungsschichten sind bereit, bundeseigene Betriebe in „Volksbesitz“ zu übernehmen, und zwar auf eine Weise, die dem von der Bundesregierung propagierten Gedanken des „privaten Eigentums“ genau entspricht. Das hat die ungewöhnlich erfolgreiche Aufforderung, junge Preussag-Aktien zu zeichnen, eindeutig gezeigt. Es würde merkwürdig wirken, wenn die Bundesregierung nun, da sie sieht, wie sehr ihre ehemalige Wahlparole auf gleicher Linie mit den Wünschen der Bevölkerung liegt, auf halbem Wege stehenbleiben wird.

Addiert man die Zeichnungssumme für die jungen Preussag-Aktien, dann kommt in etwa ein Betrag zusammen, der ausreicht, um die gesamte Preussag in privates Eigentum zu überführen. Daß dies aus technischen Gründen in einem Zuge nicht möglich ist, mag man bedauern, aber es braucht nun einmal Zeit, um einen weiteren Schritt tun zu können. Schade wäre es allerdings, wenn man diesen Schritt auf die lange Bank schieben würde, auch aus politischen Gründen. Nicht umsonst findet die Preussag-Aktion ihre schärfsten Kritiker in der Zonenpresse. Ein Volk, das Aktien kauft, wird immun gegen alle Sozialisierungstendenzen, gleich welcher Färbung.

Das ist es auch, was die Banken bewogen hat, diese Aktion vorbehaltlos zu unterstützen, auch wenn sie den Bankenapparat in einer bisher noch nicht dagewesenen Weise in Anspruch nimmt – ohne entsprechenden Nutzen. Und das sollten auch die auf dem linken Flügel der CDU stehenden Politiker erkennen, die offensichtlich Angst vor der eigenen Courage bekommen haben und sich lieber als Bremsklotz betätigen möchten, statt zu helfen, den Anfangserfolg auszuweiten. Gewiß, niemand wird die Gefahren übersehen, die in dem Umstand liegen, daß sich kleine Sparer mit dem Risiko belasten, das nun einmal in jeder Aktie liegt. Aber wenn man Nachteile und Vorteile der Privatisierung gegeneinander aufwiegt, dann neigt sich die Waage zugunsten jener, die den Privatisierungserfolg ausweiten möchten. Und dazu gehört erfreulicherweise auch der Bundesschatzminister Lindrath. K.W.