Rom, im April

Das zu Ostern in Rom abgeschlossene italienisch-amerikanische Abkommen über den Bau von Abschußrampen für Jupiter-Raketen auf italienischem Boden hat Italiens politisches Gewicht innerhalb der NATO erheblich verstärkt. Bisher ist Italien das einzige kontinentaleuropäische Land, in dem Fernlenkgeschosse für strategische Zwecke mit einer maximalen Reichweite von 3600 Kilometern installiert werden. Auf der Apenninen-Halbinsel befindet sich schon eine mit „Honest John“-Raketen für taktische Zwecke ausgerüstete amerikanische Kampfgruppe.

Gemäß dem vom italienischen Außenminister Pella und dem amerikanischen Botschafter Zellerbach in Rom unterzeichneten Abkommen werden die Fernraketen in Kürze den italienischen Streitkräften übergeben. Die dazugehörigen Atom-Sprengköpfe werden in der Nähe der Abschußrampen in amerikanischem Gewahrsam bleiben. Für ihren Einsatz ist sowohl die Zustimmung der italienischen Regierung als auch die des NATO-Oberkommandos erforderlich. Nach italienischen Zeitungsberichten sollen die Raketenbasen im alpinen Teil Venetiens und im dünnbesiedelten Inneren der Insel Sardinien angelegt werden.

Wie sehr dieser Schritt der italienischen Regierung in Washington gewürdigt wird, zeigen drei Tatsachen:

Erstens: Die amerikanische Kriegsmarine hat beschlossen, im tyrrhenischen Hafen La Spezia ein NATO-Zentrum zum Studium von U-Boot-Abwehrmethoden einzurichten. Ursprünglich war dafür das französische Toulon vorgesehen. Für die wissenschaftlichen Forschungen, vor allem auf meereskundlichem Gebiet, sollen vorläufig 2,5 Mill. Dollar in La Spezia investiert werden.

Zweitens: Einflußreiche amerikanische Senatoren haben sich dafür eingesetzt, daß Italien an den west-östlichen Konferenzen beteiligt werde.

Drittens: Sowohl die New York Times als auch die New York Herald Tribüne haben den an der Washingtoner NATO-Tagung teilnehmenden Außenminister Pella ungewöhnlich herzlich begrüßt. Pella sei, so heißt es da, „ein Bollwerk gegen den Geist des Nachgebens und des Neutralismus“.