New York City

Sehr geehrte Kollegen!

Wir verfolgen hier mit einer gewissen Unruhe und auch mit Befremden die sich häufenden antisemitischen Vorgänge in Deutschland. Im großen ganzen berichtet ja die deutsche Presse sehr ausführlich darüber, d. h., daß wir mit den Fakten an sich durchaus vertraut sind. Nicht vertraut aber sind wir mit der Deutung der Geschehnisse.

Uns wird allgemein gesagt, daß die deutsche Jugend im großen und ganzen einen ausgesprochen nüchternen Standpunkt einnimmt, der frei ist von jeder Verhetzung. Wir haben auch selbst mit einer Anzahl junger Menschen hier und drüben gesprochen, und das Ergebnis war eine Bestärkung dieses Eindrucks. Auf der anderen Seite hören wir plötzlich, daß auch Jugendliche sich an diesen antisemitischen Demonstrationen beteiligen. Wir sind nicht imstande, von hieraus zu beurteilen, ob das Einzelfälle und Zufälle sind oder nicht.

Aus diesem Grunde bitten wir Sie um eine Analyse der sogenannten „antisemitischen Situation“. Manfred George

Chefredakteur