-ge, Bremen

Ein Experiment, das Intendant Heinz Kerneck als „einmalig in der Geschichte des Rundfunks“ bezeichnet, plant Radio Bremen für die Zeit vom 10. bis 16. Mai: In dieser Woche soll ein Programm ausgestrahlt werden, das Jugendliche gestaltet haben. Das ganze nennt sich „Woche der Jugend“ und soll den verantwortlichen Programmgestaltern des Senders ebenso wie den erwachsenen Hörern zeigen, was junge Menschen heute vom Rundfunk erwarten.

Nur zu einem geringeren Teil werden die Jugendlichen in dieser Woche das Programm freilich selber bestreiten. Radio Bremen wollte in erster Linie erfahren, was die 17- bis 25jährigen den Hörern bieten würden, wenn sie als Intendant oder Abteilungsleiter darüber zu entscheiden hätten. Unter Assistenz des Senders fanden sich deshalb im letzten Herbst rund 300 junge Menschen aus 40 verschiedenen Jugendorganistationen in zehn „Neigungsgruppen“ zusammen, verfolgten und diskutierten das reguläre Programm und zerbrachen sich die Köpfe, was in der Woche der Jugend zu tun sei.

Gelegentlich tauchten da phantastische Pläne auf. Vorschläge, die kaum zu verwirklichen wären. Aber schließlich rauften sich die Jugendlichen in den zehn Gruppen zusammen. In einem Sendesaal von Radio Bremen fand die „Programmkonferenz“ zwischen den Sprechern der Neigungsgruppen und den zuständigen Abteilungsleitern statt.

Hin und wieder mußte Intendant Kerneck zwar vermittelnd oder besänftigend eingreifen, wenn Sprecher praktisch das gesamte Rundfunkprogramm – einschließlich der teilweise seit Jahren „eingefahrenen“ Sendezeiten – auf den Kopf zu stellen verlangten. Aber es gelang doch in verhältnismäßig kurzer Zeit, eine ausgewogene Sendefolge zu konzipieren.

Daß dies nicht ganz einfach war, zeigte die Debatte um den Vorschlag der Gruppe „Kirchenfunk“, die umstrittene Kasseler Rede von Kirchenpräsident Niemöller in einer Diskussion zu behandeln. An ihr sollen außer dem streitbaren Kirchenmann möglichst auch Vertreter der Bundeswehr und Juristen teilnehmen. Bei den weltanschaulich ausgerichteten Jugendgruppen löste der Vorschlag manches Für und Wider aus, doch schließlich wurde er angenommen.

Kann Radio Bremen mit dieser neuen Form einer Woche der Jugend anderen Rundfunkanstalten zum Vorbild werden? Die Antwort darauf hängt von dem Echo ab, das diese von der Jugend für die Jugend zusammengestellten Sendungen in der Öffentlichkeit finden werden.