Ben, Hamburg

Ich sah ihn schon von weitem. Ein Wappen schmückte seine Sitzfläche. Die Rückenlehne richtete sich steil in die Höhe, und darüber hing ein Geweih an der Wand, das auch versteigert werden sollte.

Die Rückenlehne, die Armstützen und die Beine des Stuhles waren aus massiver Eiche; die Füße waren Löwentatzen nachgebildet und jeder wog mindestens zwei Pfund. Die Armlehnen liefen an den Enden spitz zu und glichen in Form und Farbe blankpolierten mittelgroßen Dauerwürsten, aber griffig waren sie bestimmt. Ganz versunken stand ich vor dem Stuhl. Immer mehr Leute betraten das Auktionslokal. Der Stuhl hatte die Nummer 604.

„Geradezu imponierend ist er und einfach unverwüstlich“, sagte eine Dame, die etwas durch die Nase sprach. „Und dann das Wappen!“

„Was der Transport von dem Stuhl wohl kostet“, erkundigte sich eine Frau bei ihrem Mann, der ihre Einkaufstasche trug. „Das spielt bei diesem Objekt doch keine Rolle, Herta“, sagte er.

Ein Herr mit straff zurückgekämmtem grauem Haar und Spazierstock, mit schwarzer Hornbrille und einem schweren Siegelring an dem kleinen Finger seiner rechten Hand, entdeckte den Stuhl. Auf einen Wink von ihm eilte der Gehilfe des Auktionators herbei und sagte: „Der Chef kommt gleich, Herr Doktor.“ Der Doktor hatte eine Stirn, die steil in die Höhe ging – genau wie die Rückenlehne.

Ich begab mich in das Büro, um den Preis für den Stuhl mit der Nummer 604 zu ermitteln. Die Angestellte wendete ein Blatt und sagte: „Bei der Nummer 604 handelt es sich um einen Präsidentenstuhl. Er kommt aus erster Hand und kostet nur 500 DM. Ich blickte in eine Glasvitrine, wo Schmucksachen aufbewahrt wurden, und hörte, wie die Angestellte weiter sagte: „Näheres über die Herkunft weiß der Chef!“