R. S., Bonn, im April

Undurchsichtig sind noch die internen Auseinandersetzungen in der FDP. Von den elf Landesverbänden haben sich die Delegierten von neun für die Wahl Dr. Mendes zum Bundesvorsitzenden der Partei ausgesprochen. Nur Baden-Württemberg und Bayern möchten, daß Reinhold Maier das Amt noch ein Jahr fortführe. Die Liberalen in Stuttgart fürchten wohl, sie könnten bei der Landtagswahl im nächsten Frühjahr schlecht abschneiden, wenn Maier dann nicht mehr an der Spitze der Partei stünde.

So haben sich denn die Landesvorsitzenden am Montag in Bonn entschlossen (obwohl Kohut, der Vorsitzende des hessischen Landesverbandes, zunächst anderes vorhatte), den Delegierten die Wiederwahl Maiers zu empfehlen. Ob diese dem Ratschlag folgen werden? Und ob Mende sich dem Rufe verschließen würde, wenn er an ihn erginge? Gar jetzt, wo es vielleicht im Herbst zu einer Koalition mit der CDU kommen und der Bundesvorsitzende der FDP in ein Ministeramt aufsteigen könnte? Ob es nicht doch auf dem Berliner Parteitag zu der Kampfabstimmung kommt, die man zu vermeiden versprach?