Genau vor zwei Jahren, meine verehrten Leser, haben wir begonnen, uns darüber zu unterhalten, auf welche Weise sich Ihre Ersparnisse am nutzbringendsten „anlegen“ lassen. Ihren damaligen Zuschriften und Fragen konnten wir entnehmen, daß das Interesse am Wertpapier im Wachsen war, wenngleich es sich in jenen Monaten noch nicht im wünschenswerten Maße in einer entsprechenden Spar- und Anlagetätigkeit niederschlug. Wir führten dies unter anderem auch auf die Unkenntnis über die verschiedenen Sparformen und ihrer „Spielregeln“ zurück. Wir bemühten uns deshalb in jeder Woche, Ihnen möglichst zuverlässig darüber Aufklärung zu geben, welche Chancen sich dem Sparer jeweils bieten. Wir baten Sie damals um Verständnis, wenn wir nicht mit sogenannten „Börsentips“ aufwarten wollten, obgleich – rückwirkend betrachtet – das Risiko falscher Prognosen wirklich sehr gering gewesen wäre, da wir eine Aktienhausse hinter uns haben, die nahezu jedem Papier mehr oder weniger große Kursgewinne gebracht hat. Da wir aber nach wie vor der Meinung sind, daß es nicht Aufgabe der ZEIT sein kann, ihren Lesern Börsentips zu vermitteln, wollen wir die bisherige Linie; der „Gespräche am Bankschalter“ nicht verlassen, auch wenn sie inzwischen Nachahmer gefunden haben. Sie werden, meine verehrten Leser, also auch in Zukunft hier Hinweise und Ratschläge finden, die nach bestem Wissen gegeben werden. Sollten Sie darüber hinaus Fragen haben, steht Ihnen Securius gern zur Verfügung.

Die neue Hausse auf dem Aktienmarkt hat die Anlagemöglichkeiten bei den festverzinslichen Wertpapieren in den Hintergrund treten lassen. Es ist nur ganz natürlich, daß die Rentenwerte immer dann in den Schatten geraten, wenn sich die Aktienkurse nach oben bewegen. Denn dann ergeben sich bei den Aktien (zumindest auf dem Papier) Gewinne, die sich am Rentenmarkt, wo man normalerweise mit dem Pfennig zu rechnen gewohnt ist, nur selten erzielen lassen. Aber einmal kommt bei den Aktien der Punkt, wo das Risiko der hohen Kurse so groß wird, daß man es gern anderen überläßt, den schmerzlichen Kursrückschlag zu erleben. Wer Fingerspitzengefühl hat, steigt „rechtzeitig“ bei den Aktien aus und „überlebt“ die Baisse, indem er den Aktienerlös zum Erwerb von festverzinslichen Papieren verwendet. Da aber in den Börsensälen niemals geklingelt wird, wenn die Kurse den höchsten Stand erreicht haben, ist es nur wenigen vergönnt, den richtigen Zeitpunkt zum Wechsel von Aktien in die Renten (oder umgekehrt) zu treffen. Glauben Sie den Leuten nicht, die immer alles richtig gemacht haben wollen! Das sind Schwätzer. Ich kenne niemanden, der in jeder Situation „richtig gelegen“ hat.

Und weil sich in der Wertpapieranlage ein gewisses Maß an Risiko niemals ausschalten läßt – auch nicht durch den Erwerb von Investment-Zertifikaten, muß das „Risiko gestreut“ werden. Mögen die Aktien in der Vergangenheit sehr viel Nutzen gebracht haben und mögen ihre Chancen auch für die Zukunft noch günstig sein, ich würde es für leichtfertig halten, „nur auf Aktien zu setzen“. Zu einem gut gemischten Wertpapierportefeuille gehört nun einmal auch ein Bestand festverzinslicher Papiere.

Übrigens: In den letzten zwei Jahren boten auch diese Papiere gute Kurschancen. Erinnern Sie noch? Am 4. April 1957 sagte ich Ihnen an dieser Stelle: „Die fünfprozentigen Pfandbriefe sind nun so weit gefallen daß eigentlich niemand mehr ohne triftigen Grund verkaufen sollte.“ Damals konnte man fünfprozentige Pfandbriefe zum Kurs von 89 v. H. erwerben. Heute kosten sie etwa 115 v. H. Das ist eine Kurssteigerung in zwei Jahren um knapp 30 v. H., dazu kommt noch die Verzinsung für diese Zeit von 10 v. H. – und alles steuerfrei!

Nun, solche Gewinnmöglichkeiten vermag ich bei den Renten künftig nicht mehr zu sehen, aber lohnend wird der Kauf von festverzinslichen Papieren auf alle Fälle dann sein, wenn man den Erwerb mit Hilfe des Sparprämiengesetzes (siehe das „Gespräch am Bankschalter“ in der vorangegangenen Ausgabe) vornimmt. Das Sparprämiengesetz ist aber nur beim Ersterwerb eines Wertpapieres anwendbar. In einem solchen Falle müssen Sie das Papier fünf Jahre lang behalten. Bei einem 5prozentigen Pfandbrief kommen Sie dann auf eine Rendite von 5,2 v. H. jährlich, dazu vergütet Ihnen der Fiskus weitere 4 v. H. jährlich, so daß sich eine Gesamtverzinsung von 9,2 v. H. ergibt – also recht annehmbar.

Die nachfolgende Tabelle gibt Ihnen einige Hinweise auf sonstige Anlagemöglichkeiten des Rentenmarktes. Bei den höherverzinslichen Emissionen müssen Sie die Kündigungs- und Tilgungsmöglichkeiten berücksichtigen. Viele Gesellschaften werden sich im Rahmen der in den Anleihebedingungen enthaltenen Möglichkeiten von der Last der hohen Zinsen zu befreien suchen. Da die hochverzinslichen Emissionen heute sämtlich über dem Rückzahlungskurs notiert werden, muß der Käufer (und natürlich auch der jetzige Besitzer) einen Kursverlust hinnehmen. Das finden Sie in der Renditeberechnung, die von der Vereinsbank in Hamburg vorgenommen worden ist, entsprechend berücksichtigt:

Zum Schluß noch einen Hinweis: Wollen Sie in den Genuß des Sparprämiengesetzes kommen, und haben Sie kein Geld für eine Neuanlage frei, dann könnten Sie überlegen, ob Sie sich nicht von Ihren hochverzinslichen Emissionen unter Mitnahme des Kursgewinns trennen und den Erlös dann zum Ersterwerb fünfprozentiger Papiere benutzen sollten. Beweglichkeit vergrößert auf diese Weise den Nutzen.