Zwei Filme: Afrikaner spielen sich selbst – Amerikaner in Ungarn

Auch heute noch erlebt man manchmal eine Überraschung, wenn man ins Kino geht und sieht dort, was man noch nie gesehen hat. „Freiheit“ ist ein Film aus Afrika, gespielt nur von farbigen Afrikanern, die im politischen Leben Afrikas eine Rolle spielen. Nur ein Weißer tritt darin auf, und seine Rolle ist ziemlich kläglich, aber nicht würdelos. Er ist der letzte Vertreter des Landes mit dem Phantasienamen „Imperia“ (der nichts an Deutlichkeit übrig läßt), von dem das Land „Bokondo“ kolonisiert und „ausgebeutet“ wurde. Aber der ungewöhnliche Film will keinen Haß säen. Er ist versöhnlich, denn er ist im Zeichen der moralischen Aufrüstung entstanden. Er ist nach dem gleichnamigen Theaterstück gedreht worden, das in viele Sprachen übersetzt und in vielen Ländern aufgeführt wurde.

Das schwarze Königreich lebt, so beginnt der Film, nicht nur im Zerwürfnis mit seinem ehemaligen weißen „Unterdrücker“, sondern seit seiner Selbständigkeit sind auch die ehrgeizige Regierung und die maßlose Opposition untereinander im Streit, der das Land an den Rand einer Revolution bringt. Realisten werden darüber lächeln, wie einfach unter den Streitenden die Versöhnung hergestellt wird, nachdem der Regierungschef von Bokondo den Geist von Caux erlebt hat.

Der Film will an die guten, statt, wie heute üblich, an die schlechten Instinkte der Menschen appellieren. Er will die Botschaft aussenden, daß man bei sich selbst anfangen muß, wenn man die Welt ändern will. Freiheit ist eine Sache des Charakters. Großartig und unerschrocken zählt er die Maßstäbe auf, die auch in der Politik gelten sollten: Ehrlichkeit, Selbstlosigkeit, Reinheit und Liebe. Die Farbigen sprechen die großen Worte ohne Scheu aus, die uns kaum noch zur Verfügung stehen. Das klingt merkwürdig in europäischen Ohren. „Der Edelmut trieft“, sagen wir irritiert. Aber der Film verbürgt sich dafür, daß seine Handlung tatsächlich politischen Vorgängen in Afrika nachgestaltet ist. So wie sich hier der dunkelhäutige Ministerpräsident (er ist im Leben Vizepräsident von 10 000 organisierten schwarzen Lehrern Südafrikas) mit dem rivalisierenden Nationalistenführer der Opposition aussöhnt und einigt, so hat sich tatsächlich im Sommer 1949 der jetzige Ministerpräsident von Ostnigeria mit seinen schärfsten politischen Gegnern geeinigt und eine Revolution vermieden, nachdem er, verbittert durch die Politik des Westens, auf dem Wege nach Moskau eine Konferenz in Caux erlebte und seine Reise abbrach. Der tiefe sittliche Ernst dieses Films ist bewegend.

Jeder Afrikaner scheint ein Schauspieler von Geblüt zu sein. Vom König (mit natürlicher Würde dargestellt von dem nigerischen Häuptlingssohn Matthew Elebesunu) bis zur aufrührerischen Marktfrau (es ist Kezia Fashina, die erste Marktfrau der nigerischen Hauptstadt) spielen diese Hauptdarsteller mit einer Vehemenz, Freiheit und naiven Frische, die sich dem Zuschauer unmittelbar mitteilt.

Eindrucksvolle und farbenprächtige Szenen des Films spielen in den königlichen Gärten und der Sommerresidenz des Obi von Lagos, an den Ufern des Nigerstromes in Onitscha und in dem sehr europäisch ausgestatteten Haus eines nigerischen Nationalistenführers. Afrika heute.

Rührend ist die Vorgeschichte des Films „Freiheit“, der aus kleinen Spenden – einer Uhr, einem Ring, kleinen und größeren Geldsummen – ermöglicht wurde. Dem weißen Aufnahmeteam, das mit Liebe bei der Sache war, stellten sich ein norwegischer und ein schwedischer Kameramann zur Verfügung und verzichteten auf ihre Gage. Was sie erreichten, erscheint schlicht und kunstlos, aber die Mittel, die sie verwandten, sind sehr kunstvoll. Der Film kommt auf seinem Weg durch 40 Länder jetzt nach Hamburg,