Wir glauben etwas sehr Beachtliches getan zu haben“, so kommentierte der Vorstandsvorsitzer der Stahlwerke Südwestfalen AG Geisweid, Dr. h. c. Karl Barich, die Dividendenerhöhung von 9 auf 11 v.H. für das Geschäftsjahr 1957/58. Zweifellos sind 11 v.H. in einem Jahr, in dem das Gros der westdeutschen Stahlgesellschaften nicht über den – z. T. niedrigeren – Vorjahrssatz hinausgeht, eine hübsche Dividende. Aber diesem großen Edelstahlerzeuger kann die Aufbesserung seiner Vorjahrsausschüttung nicht schwergefallen sein, zumal damit lediglich die Ermäßigung des Körperschaftsteuersatzes auf den ausgeschütteten Gewinn an die Aktionäre weitergegeben wird. Vielmehr lassen der vorgelegte Abschluß des Geschäftsjahres 1957/58 (30. 9.) und die strahlende Zufriedenheit der Verwaltung den Schluß zu, daß Südwestfalen besser verdient hat, als es die auf Grund der Körperschaftsteuerreform auf 11. v. H. angehobene Dividende zum Ausdruck kommen läßt. Allerdings darf wohl die „Dividendensolidarität“ nicht unterschätzt werden!

Das Geschäftsjahr 1957/58 steht bei Südwestfalen in auffallendem Gegensatz zu dem Verlauf des gleichen Zeitabschnitts bei der Deutsche Edelstahlwerke AG. Während die DEW vor kurzem über das „schwierigste Geschäftsjahr in der Geschichte des Werkes“ mit rückläufigem Umsatz und verringerten Erträgen berichten mußte, stand die Edelstahlerzeugung im Siegerland offenbar unter leuchtenderen Sternen. Die Stahlwerke Südwestfalen AG konnte auf der ganzen Linie neue Erfolge verbuchen.

Das Unternehmen berichtet für 1957/58 über eine im wesentlichen ausgeglichene Auftragslage, die eine Erhöhung der Produktion von Rohstahl und Walzwerkserzeugnissen und damit auch „eine wirtschaftliche Ausnutzung der Anlagen“ ermöglicht hat. Von dem „Lagerzyklus“, der den Geschäftsgang bei der Massenstahlindustrie in den vergangenen Monaten gebremst hat, war Südwestfalen mit seinen Erzeugnissen nicht betroffen.

Der Kraftfahrzeugbau, die Elektroindustrie, die Chemische Industrie sowie auch der Maschinenbau waren als Hauptabnehmer für die Geisweider Produktion auch im Berichtsjahr gute Kunden. Die Erhöhung der Rohstahlerzeugung auf 402 900 (360 500) t ist, wie die Verwaltung bekanntgibt, hauptsächlich auf die Inbetriebnahme des neuen 70-t-Elektro-Ofens in der zweiten Hälfte des Geschäftsjahres zurückzuführen. Die Elektrostahlerzeugung stieg auf 92 000 t. Trotz der Ausweitung der Schmelzkapazität sind noch erhebliche Mengen Fremdhalbzeug bezogen worden; auch in Zukunft wird die Gesellschaft Halbzeug in den Qualitäten zukaufen, die sie aus wirtschaftlichen und technischen Gründen nicht erschmilzt. Auf der Produktionsseite ergibt sich der größte Zuwachs mit 28,5 v. H. bei Blechen. Die Blecherzeugung stieg auf 57 300 (44 600) t, hauptsächlich durch eine Steigerung der Elektroblech-Erzeugung. Ein leichter Produktionsrückgang war lediglich bei gezogenem Draht mit 20 600 (21 200) t und Schmiede-, Erzeugnissen mit 16 100 (16 900) t. In allen anderen Sparten wurden die Vorjahrszahlen überschritten: Stahleisen 73 800 (70 100) t, Halbzeug 303 200 (282 500) t, Stabstahl 169 800 (169 500) t, Warmband 51 800 (49 600) t, Walzdraht 90 400 (89 300) t und Blankstahl 14 000 (13 800) t. Der Edelstahlanteil an der Gesamtproduktion von Südwestfalen lag auch im Berichtsjahr bei 85 v. H.

Die Umsatzsteigerung um 7,8 v. H. gegenüber 1956/57 unterstreicht die ungestörte Marktposition dieses Edelstahlunternehmens. im abgelaufenen Geschäftsjahr hat Südwestfalen einen Brutto-Fremdumsatz von 481 (446) Mill. DM erzielt. Die Exportbemühungen trafen zwar am eine zunehmende Konkurrenz ausländischer Edelstahlerzeuger, aber der Exportumsatz konnte gehalten werden. Der prozentuale Ausfuhranteil am Gesamtumsatz ermäßigte sich dabei geringfügig auf 9,5 (10,4) v. H. Der in der konsolidierten Gewinn- und Verlustrechnung ausgewiesene Rohertrag in Höhe von 145,958 (127,5) Mill. DM ist relativ stärker angestiegen als der Umsatz. Der Energieaufwand ist infolge echter Rationalisierungen rückläufig gewesen, betonte der Vorstand in einer Pressekonferenz, Allerdings war das auch die einzige sparsame Bemerkung, die über die veröffentlichten Zahlen hinaus zum Thema Ertragslage gemacht wurde. Offenbar spricht es sich seitens der Verwaltungen leichter über das Geschäftsergebnis, wenn dabei der Finger in die Wunde rückläufiger Erträge gelegt werden kann! Immerhin aber ist der auf 31,997 (28,4) Mill. DM gestiegene Steueraufwand – darunter Ertragsteuern allein in Höhe von 12,386 (9,3) Mill. DM – auch ein Anzeichen für das gute Geschäft im Berichtsjahr.

Im Berichtsjahr hat Südwestfalen die Investitionen nicht in der vorgesehen Höhe durchgeführt. Die rückläufige Investitionstätigkeit ist allerdings nicht als bewußte Drosselung – wozu das Unternehmen ja auch keine Veranlassung hätte – anzusehen, sondern sie ergab sich aus zeitlichen Verzögerungen bei der Errichtung der Beiz- und Glühanlagen in Dillenburg. Die AG allein hat 13 (17) und die Gruppe 16 (22) Mill. DM für den weiteren Ausbau der Erzeugungsanlagen aufgewendet. Die Summe konnte voll aus dem erwirtschafteten Ertrag finanziert werden. Die Abschreibungen gehen mit 14,4 bzw. 17,4 Mill. DM sogar noch über die Investitionen hinaus. Im laufenden Jahre sollen 28 Mill. DM verbaut werden; die Finanzierungslücke solle durch Aufnahme neuer Fremdmittel geschlossen werden. Eine Kapitalerhöhung findet bei der Verwaltung dieses Unternehmens, weiterhin keine Gegenliebe. Dabei rechtfertigt die Bilanz von Südwestfalen nach wie vor den Ruf des Unternehmens als „Kapitalbereinigungsanwärter“. Die Liebhaberkurse, die das Südwestfalen-Papier an der Börse erzielt, dürften allerdings weniger darauf als vielmehr auf Interessenkäufe von anderer Seite zurückzuführen sein. An dem Aktienkapital sind bekanntlich die Bankhäuser Merck, Finck & Co., München, sowie Sal Oppenheim jun. & Cie, Köln, mit je einem Paket beteiligt. Es wird vermutet, daß das letztere Paket in Köln nur als Durchgangsstation liegt, weil schon der Erwerb dieser Beteiligung im Auftrage Flicks erfolgt war. Neuerdings verstärken sich auch die Gerüchte, die von einem wachsenden Interesse von Rheinstahl an diesem lukrativen Edelstahlerzeuger wissen wollen.

Den Ausblick der Verwaltung auf das laufende Geschäftsjahr kennzeichnet einige Zurückhaltung. Zwar haben sich Umsatz und Produktion bisher nicht geändert, jedoch sei eine leicht rückläufige Entwicklung des Ertrags festzustellen. Neben der Lohnerhöhung durch die Einführung der 44-Stunden-Woche ab 1. Januar 1959 entstehen Mehrkosten durch laufend steigende Qualitätsansprüche der Verbraucher, für die ein entsprechender Ausgleich im Preis nicht gefunden werden könne. Darüber hinaus werde das Unternehmen auf Grund der kurzfristigen Bestellungen weiterhin zu einer Steigerung der Vorräte gezwungen, die bereits in der letzten Bilanz auf 71,024 (55,34) Mill. DM angewachsen waren. Nmn.