Doch Bonn hat Sand ins Konferenzgetriebe gestreut

Von Hans Gresmann

Es war am Wochenende, als die Außenminister der NATO-Länder in Washington auseinandergingen. Sie hatten, so hieß es in den Verlautbarungen, bei ihren Gesprächen volle Übereinstimmung in allen prinzipiellen Fragen erzielt. Daß diese Beteuerungen so nachdrücklich waren und dabei doch so vage, ließ sogleich die Vermutung entstehen, daß es mit der Übereinstimmung nicht weit her sein könne.

Inzwischen ist es ganz deutlich geworden: Die beiden Washingtoner Beratungsphasen (erst die Sitzung der vier: USA, Großbritannien, Frankreich und die Bundesrepublik; dann die der 15 NATO-Staaten) konnten zu dem Ergebnis äußerer Übereinstimmung nur darum führen, weil alle neuen Pläne und Einzelvorschläge einer nach dem anderen vom Konferenztisch gefegt wurden. Nur aber, um ein „grundsätzliches Einvernehmen“ zu erzielen – dazu hätten die Außenminister gar nicht erst nach Washington zu fahren brauchen.

Kommuniqué – doch kein Konzept

Denn soviel stand doch schon vorher fest: Der Westen ist entschlossen, in der Berlin-Frage fest zu bleiben, zugleich aber (und hier divergiert wohl nur der britische Standpunkt) die Berlin-Verhandlungen zu einer Art Hebel für die Lösung der Deutschlandfrage zu benutzen. Wie und wo man nun allerdings diesen Hebel erfolgreich ansetzen könnte, darüber bestanden vorher Meinungsverschiedenheiten, und darüber vermochten sich die Politiker auch in Washington nicht zu einigen.

Als einziges sichtbares Konferenzergebnis blieb die Mitteilung übrig, daß ein Friedensvertrag nur mit einem durch freie Wahlen wiedervereinigten Deutschland abgeschlossen werden könne. Im Hinblick auf die nun in einem Monat beginnende westöstliche Außenministerkonferenz will diese knappe Formel nicht gerade als eine sehr verheißungsvolle Verhandlungsgrundlage erscheinen.